Spreequell : Durst versiegt nicht

Seit 40 Jahren versorgt Spreequell die Berliner mit Getränken. Von Krise ist in der Branche nichts zu spüren.

Bert Szilagyi
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30 000 Flaschen pro Stunde. Spreequell füllt trotz des Namens heute in Bad Liebenwerda ab, Wasser und Schorlen bringen einen...

120 Kubikliter Wasser pumpt die Spreequell Mineralbrunnen GmbH pro Stunde aus ihren Brunnen und macht daraus seit 40 Jahren Mineralwasser für die Region. „Theoretisch könnten unsere Brunnen schon irgendwann versiegen“, sagt Geschäftsführer Ralf Brodnicki, „doch die Region ist reich an Wasser, sodass wir uns da eigentlich keine Sorgen machen“. Das Berliner Unternehmen genießt einen hohen Bekanntheitsgrad: 2003 hatte es dazu eine Forsa-Umfrage in Auftrag gegeben – mit dem Ergebnis, dass 93 Prozent der Befragten die Marke Spreequell ein Begriff ist. „Mit der aufgedruckten Berliner Skyline empfinden sogar Touristen Spreequell als typisch für die Stadt und nehmen Flaschen als Souvenirs mit“, sagt Marketingleiterin Susanne Liedtke.

Angefangen hat die Erfolgsgeschichte 1969 als VEB Getränkekombinat Berlin in Weißensee. Bei einem Ideenwettbewerb unter der Ost-Berliner Bevölkerung entstand der Name Spreequell, der die Verbundenheit zur Stadt zeigt. Das Wasser wird jedoch nicht aus der Quelle der Spree gewonnen, sondern aus drei 50 Meter tiefen Brunnen im brandenburgischen Bad Liebenwerda in der Nähe von Cottbus. „2003 zwangen uns das zu kleine Grundstück und die technische Umrüstung auf PET-Flaschen zur Aufgabe des Berliner Abfüllstandorts“, erzählt Brodnicki. In der Stadt blieb der Vertrieb.

30 000 Ein-Liter-Flaschen werden stündlich an jedem Tag in Bad Liebenwerda produziert. Vier große Abfüllanlagen im Gesamtwert von 8,5 Millionen Euro rattern in der Produktionshalle. Die Flaschen sausen wie in einer Achterbahn auf Fließbändern vorbei. Leergut aus dem Handel wird gründlich gereinigt und anschließend wieder befüllt. Spreequell setzt mit seiner breiten Palette an Mineralwassern und Fruchtschorlen jährlich 16 Millionen Euro um. Ein Erfolg, der sich trotz der Wirtschaftskrise fortsetzen dürfte, denn die Nachfrage nach alkoholfreien Getränken ist nach Angaben der Gesellschaft für Konsumgüterforschung auch in den ersten Monaten dieses Jahres relativ konstant geblieben. Auch Martin Möller, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Alkoholfreie Getränke e.V. (wafg) hält die Branche für stabil.

Susanne Liedtke sieht den allgemeinen Trend zu mehr Fitness und gesünderer Ernährung in den Verkaufszahlen bestätigt. „Wir reagieren darauf, indem wir ständig in neue Getränkesorten investieren.“ Der Absatz von Bier und süßen Limonaden sei „seit Jahren rückläufig“, sagt Geschäftsführer Brodnicki. Man konzentriere sich daher weiterhin „auf unsere Kernprodukte Mineralwasser und leichte Fruchtschorlen“. Mit diesen will Spreequell verstärkt in der Gastronomie Fuß fassen. Die Chancen dafür scheinen gut, da der Bierkonsum in Deutschland deutlich zurückgeht: Wurden laut Statistischem Bundesamt in den 70er Jahren noch 150 Liter pro Kopf und Jahr verbraucht, sind es heute nur noch 111 Liter. Damit liegt Bier hinter Wasser und Kaffee auf dem dritten Platz. Als Gründe dafür nennen Getränkehersteller wie Spreequell und Coca-Cola nicht nur das gestiegene Gesundheitsbewusstsein, sondern auch das Rauchverbot in Kneipen und die Absenkung der Promillegrenze für Autofahrer auf 0,5.

Die Coca-Cola GmbH, die in Hohenschönhausen abfüllt, sieht gelassen in die Zukunft. Das Unternehmen fühlt sich mit seinen 60 Produkten, darunter auch Mineralwasser und leichte Fruchtschorlen, gut aufgestellt. Dennoch gibt es Probleme in der Branche. Die Industrie- und Handelskammer sieht den großen Preisdruck bei Mineralwasser als Gefahr für die Betriebe. Das Wasser sei so billig wie nie. Was die Käufer freut, stimmt den wafg-Vereinspräsidenten Möller nachdenklich: „Nur noch 29 Cent für 1,5 Liter Erfrischungsgetränk – das klingt auf den ersten Blick gut für den Verbraucher, kann aber gerade kleinere und mittlere Unternehmen betriebswirtschaftlich in schwierige Situationen bringen.“ Möller hofft, dass die Vielfalt und Innovationskraft der Branche dennoch langfristig erhalten bleibe.

Trotz der einbrechenden Bierverkäufe hat die Berliner-Kindl-Schultheiss-Brauerei gerade 2,5 Millionen Euro in eine moderne Abfüllanlage investiert. Für Geschäftsführer Jens Caßens eine notwendige Anschaffung: Die bisherige Anlage sei technisch veraltet gewesen, und die Neue soll den Wasser- und Energieverbrauch um bis zu 25 Prozent senken. Zwei klassische Brauereien hat Berlin noch. Neben der Berliner-Kindl-Schultheiss-Brauerei stellt Bürgerbräu in Friedrichshagen den Gerstensaft in großen Mengen her. Im kleinen Maßstab brauen einige Gasthäuser.

Ein ausführlicher Bericht über Spreequell erscheint am Freitag im Tagesspiegel-Mittelstandsmagazin Berlin maximal.

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