Stellenabbau : Nokia Siemens streicht 450 Jobs in Berlin

Der Netzwerkausrüster Nokia Siemens Networks baut deutschlandweit 2290 Stellen ab – die Hauptstadt und München sind am stärksten betroffen.

Corinna Visser
Nokia Siemens
Protest. Noch im Juni wehrten sich die Mitarbeiter vor dem Siemens-Verwaltungsgebäude in Berlin gegen den geplanten...Foto: dpa

Berlin - Das deutsch-finnische Gemeinschaftsunternehmen Nokia Siemens Networks streicht in Berlin 450 Stellen. Damit fällt in der Hauptstadt mehr als jeder vierte der insgesamt 1800 Arbeitsplätze bei dem Netzwerkausrüster weg. Alles in allem baut das Unternehmen deutschlandweit 2290 seiner 13 000 Stellen ab. Am stärksten sind München (mit 1500 von 6400 Stellen) und Berlin betroffen. „Das ist eine bittere Einigung mit einem schalen Nachgeschmack“, sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Georg Nassauer dem Tagesspiegel. „Eigentlich verzeichnet die Telekommunikationsindustrie weltweit ein starkes Wachstum. Da ist es bedauerlich, dass hier in Deutschland hoch qualifizierte Beschäftigte vom Personalabbau betroffen sind.“

Nokia Siemens Networks (NSN) gibt es seit April dieses Jahres. Das Gemeinschaftsunternehmen von Nokia und Siemens entwickelt und liefert Technik für Telefon- und Mobilfunknetze. Bereits einen Monat nach dem Start kündigte NSN einen massiven Stellenabbau an, weltweit sollten 9000 von den anfänglich rund 60 000 Mitarbeitern das Unternehmen bis Ende 2010 verlassen. Für Deutschland war zunächst sogar von 2800 bis 2900 Arbeitsplätzen die Rede. In Berlin hatten Arbeitnehmer mehrfach gegen die Unternehmenspläne demonstriert. Ende Juni einigte sich NSN mit den Arbeitnehmervertretern darauf, dass 2290 Stellen in Deutschland wegfallen sollen. Jetzt steht auch fest, wo.

Entlassungen wird es in Deutschland – jedenfalls bei den 12 300 der 13 000 Mitarbeiter, die von Siemens zu dem Unternehmen gekommen sind – nicht geben. „Die von der IG Metall und dem damals zuständigen Gesamtbetriebsrat der Siemens AG abgeschlossene Standort- und Beschäftigungssicherung verhindert bis September 2009 betriebsbedingte Kündigungen und hat damit erheblich zu diesem Ergebnis beigetragen“, stellte Werner Neugebauer, Bezirksleiter der IG Metall Bayern, am Freitag noch einmal klar.

Nach Angaben der Gewerkschaft bietet NSN für die Mitarbeiter mehrere Ausstiegsvarianten an, zum Beispiel Aufhebungsverträge verbunden mit Abfindungen und dem Angebot von Qualifizierung und Weitervermittlung. Mitarbeiter, die zurück in die Siemens AG wechseln, sollen wie Siemens-Mitarbeiter behandelt werden. Eine Siemens-Sprecherin in Berlin sagte, in der Hauptstadt gebe es laufend zwischen 100 bis 130 Stellenangebote im Konzern. Berlin ist der weltweit größte Fertigungsstandort des Konzerns. Offen ist allerdings, ob die Mitarbeiter, die NSN verlassen, die richtige Qualifikation für die freien Stellen haben. Siemens sucht vor allem Ingenieure und zwar vorwiegend im Energiebereich. Siemens werde den NSN-Mitarbeitern jedoch auf jeden Fall Hilfe bei der Suche nach einer neuen Arbeitsstelle anbieten, sagte die Sprecherin.

NSN ist in Berlin mit allen seinen fünf Geschäftsgebieten vertreten. Vom Stellenabbau am stärksten betroffen sind nach Angaben des Unternehmens Telekommunikationsdienste- und anwendungen, Unterstützung für Netzbetrieb, Zugang für Mobilfunknetze, Forschung und Entwicklung. Weiterhin gibt es Anpassungen in den zentralen Bereichen und der Verwaltung. Bei Datentransportlösungen für Mobilfunk- und Festnetze in Berlin soll es keine Änderungen geben.

Für die Mitarbeiter, die von Nokia in Düsseldorf zu NSN gekommen sind, wird extra verhandelt. Da der Stellenabbau bei den früheren Siemens-Leuten wegen des Kündigungsschutzes freiwillig erfolgen muss, kommen hohe Kosten auf das Unternehmen zu. „Natürlich kostet das Geld“, sagte der NSN-Sprecher. Zahlen wollte er nicht nennen. Ursprünglich hatte sich Nokia Siemens Networks zum Ziel gesetzt, durch den Zusammenschluss Synergieeffekte in Höhe von 1,5 Milliarden Euro stufenweise bis 2010 zu erreichen. An dem Ziel hält das Unternehmen fest.

Am Freitagnachmittag fand in Berlin eine Betriebsversammlung zur Information der Mitarbeiter statt. Gesamtbetriebsratsvorsitzender Nassauer kritisierte, dass der Personalabbau in Deutschland über den Abbau von doppelten Funktionen im zusammengelegten Unternehmen hinausgeht. „Bei dem Paket ging es nicht nur um die notwendige Restrukturierung im Rahmen einer Fusion, sondern eben auch um die Verlagerung von Entwicklung in Billiglohnländer.“ Der NSN-Sprecher betonte, dass das Unternehmen die Zahl der Stellen weltweit reduziert – auch in Asien.

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