Tyco und Emerson : Zwei Berliner Firmen machen dicht

200 Beschäftigte von Tyco und Emerson sind von der Schließung betroffen. Dabei hatten sich die Belegschaften sogar zu längeren Arbeitszeiten ohne entsprechende Bezahlung bereit erklärt.

Berlin - Schlechte Nachrichten aus der Berliner Industrie: Die US-Firmen Tyco und Emerson schließen ihre Werke. Bei Tyco in Lichtenrade sind 83 Arbeitskräfte betroffen, bei Emerson in Reinickendorf 124 von 140, nur die Verwaltung bleibt in Berlin. In beiden Unternehmen hatten sich die Belegschaften in den vergangenen Jahren zu längeren Arbeitszeiten ohne entsprechende Bezahlung bereit erklärt, bei Emerson wurde drei Stunden in der Woche zusätzlich gearbeitet, bei Tyco sogar sieben Stunden.

Die Tyco-Belegschaft will am Freitag gegen die Verlagerung ihrer Stellen nach England und in die Ukraine protestieren. Bei der Firma in Lichtenrade werden seit 1919 – damals unter dem Namen Paul Jordan Elektronik – Sicherungskästen für Lichtmasten hergestellt. Nach Angaben der Gewerkschaft arbeitet das Berliner Werk profitabel. Tyco begründete die Verlagerung mit „unserer Strategie, die Produktivität zu steigern“. 18 der 83 betroffenen Mitarbeiter könnten in ein anderes Berliner Tyco-Werk umziehen.

Die Firma Emerson Climate Technologies, ehemals Copeland, baut in Reinickendorf Kältekompressoren. Die Fertigung soll nach Tschechien verlegt werden. Ein Unternehmenssprecher sagte, das in Berlin gefertigte Produkt sei ein Auslaufmodell, ferner belaste der Euro-Dollar-Wechselkurs. Dagegen hieß es beim Emerson-Betriebsrat, die Firma sei „bis unters Dach voll mit Arbeit. Jahr für Jahr werden zweistellige Millionenbeträge als Gewinn an die amerikanische Konzernkasse überwiesen“, sagte die Betriebsratsvorsitzende Petra van Aerssen. Der wahre Grund für die Verlagerung sei die Auslastung des neuen Werks in Tschechien.

Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) ließ auf Anfrage erklären, seine Verwaltung nehme „Kontakt mit Unternehmen, Gewerkschaft und Betriebsrat mit dem Ziel auf, eine Lösung im Interesse der Belegschaften und des Standortes zu finden“. Nach den bisher vorliegenden Informationen sei „die Konzernentscheidung nicht nachzuvollziehen“, sagte der Senator. alf

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