Unternehmen : Berliner Wende

Die Berliner Wirtschaft schöpft Hoffnung auf ein Ende der Konjunkturkrise. Dennoch: Neues Personal wollen die Unternehmen aber nicht einstellen.

Carsten Brönstrup
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Anpacken. Mitarbeiter von Jonas & Redmann in Berlin-Moabit bedienen einen Roboter, der Solarmmodul-Bauteile präzise greifen kann....Foto: Thilo Rückeis

BerlinNur noch 18 Prozent der Unternehmen bezeichnen ihre Situation als schlecht, vor einem halben Jahr waren es noch 24 Prozent. Und nur noch 26 Prozent der Betriebe erwarten, dass sich ihre Lage in der nächsten Zeit verschlechtern wird – nach 40 Prozent im Frühjahr. Das ist das Ergebnis einer Umfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) sowie der Handwerkskammer Berlin. „Die dunklen Wolken sind weg, das ist die Trendwende“, urteilte IHK-Hauptgeschäftsführer Jan Eder am Freitag in Berlin. Trotz des Stimmungswandels stehen die Zeichen am Jobmarkt schlecht: Vor allem im Handel und auf dem Bau drohe ein Stellenabbau, hieß es.

IHK und Handwerkskammer hatten 1000 Firmen zu ihrer Lage und ihren Plänen befragt. Der Geschäftsklima-Index, den die Kammern aus den Angaben der Unternehmen berechneten, stieg erstmals seit Frühjahr 2007. Vor einem halben Jahr habe der Wert noch bei 87 Punkten gelegen, jetzt seien es 100, also ein normales Niveau, teilten die Organisationen mit.

Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Erholung der Wirtschaft auch in der Hauptstadt ankommt. Zuvor hatte die Rezession Berlin weniger hart getroffen als andere Regionen. Während die Wirtschaft im ersten Halbjahr im Bundesschnitt um 6,6 Prozent geschrumpft war, war das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Berlins um 2,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen. Ökonomen führen dies vor allem darauf zurück, dass der von der Krise besonders betroffene Exportsektor in der Hauptstadt eine vergleichsweise kleine Rolle spielt.

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Der Umfrage zufolge hat sich die Stimmung in fast allen Branchen verbessert. Vor allem die Industrie ist deutlich zuversichtlicher. Stark aufwärts ging es auch im Gastgewerbe, allerdings trübt der harte Wettbewerb angesichts immer neuer Hotels in der Stadt die Gewinnaussichten. Im Dienstleistungssektor, der für 80 Prozent der Berliner Wirtschaftsleistung steht, war die Stimmung stabil. Während die Zuversicht im Handwerk und auf dem Bau nur wenig besser wurde, war der Handel die einzige Branche mit eingetrübten Aussichten. „Die Erwartungen sind grottenschlecht“, sagte IHK-Chef Eder. Er erklärte dies mit der womöglich steigenden Belastung der Bürger durch die neue Bundesregierung und der Sorge um einen Jobverlust. Auch der Autohandel drücke auf die Stimmung, der nach dem Auslaufen der Abwrackprämie vor großen Problemen stehe.

Von einer Konjunkturwende wird der Arbeitsmarkt in absehbarer Zeit voraussichtlich nicht profitieren. Nur noch elf Prozent der befragten Firmen wollen in der nächsten Zeit neues Personal einstellen – im Frühjahr waren es trotz der damals schlechteren Lage noch 17 Prozent. Vor allem Bau und Handel wollen Stellen abbauen. Angesichts dieser Ergebnisse sei ein spürbarer Anstieg der Arbeitslosenquote zu befürchten, erklärte die IHK. Sie werde von derzeit 14 auf 15 Prozent im anstehenden Winter zunehmen, fügte Eder hinzu. „Schlimmer wird es dann aber nicht mehr.“ Berlin werde gleichwohl im Bundesvergleich Schlusslicht bleiben, sagte Jürgen Wittke, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer. Andere Länder in naher Zukunft zu überholen sei derzeit nicht realistisch.

Für das kommende Jahr rechnen IHK und Handwerkskammer wieder mit einer wachsenden Wirtschaftsleistung in Berlin. Auf etwa ein Prozent taxierte Eder die Prognose seiner Organisation – das wäre etwas weniger als die Vorhersage für den Bund, die die Regierung am Freitag auf 1,2 Prozent taxiert hatte.

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