Unternehmen : Die Gründerzeit ist nicht vorbei

Für innovative Unternehmen stehen trotz der Wirtschaftskrise noch viele Finanzierungswege offen.

Cay Dobberke

Trotz der Finanzkrise geht Berlins Startup-Unternehmern nicht das Kapital zur Anschubfinanzierung aus: „Krisenzeiten sind gut für Existenzgründungen, die Leute besinnen sich auf ihre eigene Kraft“, sagt Gerhard Raetz, Prokurist des Innovations- und Gründerzentrums (IGZ) im Technologiepark Adlershof. Die Konditionen für Kredite hätten sich nicht verschlechtert, mit marktgerechten Konzepten seien Darlehen in der Regel kein Problem. Außerdem sei Berlin „ein Paradies an öffentlichen Fördermitteln“. Auf Risikokapital privater Geldgeber sollten Gründer aber nicht setzen: „Das ist die unwahrscheinlichste Finanzierung.“

So sieht es auch Martin Regehly von der Greateyes GmbH in Adlershof, die hochauflösende Digitalkameras herstellt: Risikokapital (Venture Capital) für Startups sei die Ausnahme – ganz anders als in den USA. Durch die Krise sei es noch „wesentlich schwieriger geworden“, Mittel von Anlegergesellschaften zu erhalten. Doch Greateyes ist eine Ausgründung der Humboldt-Universität, schon an der Uni nutzte der Diplom-Physiker ein Förderprogramm. Zusammen mit einem Informatiker, der nun sein Firmenpartner ist, entwickelte Regehly den Prototyp einer Spezialkamera für Industrie und Wissenschaft. Später konnte sich der Betrieb „aus dem eigenen Umsatz finanzieren“, da es erste Bestellungen gab und Kunden vorab an eine Bank zahlten, die als Bürge fungierte. Jetzt hat sich die Firma für einen Förderprogramm der Investitionsbank Berlin (IBB) beworben.

Auch die Adlershofer Acuros GmbH hat ihre Wurzeln in der Humboldt-Uni. Laut Helge Adleff, einem der zwei Gründer, hat der im Herbst 2006 entstandene Betrieb gerade mit der Berliner Volksbank „eine zweite Finanzierungsrunde angeschoben“. Anfangs war die IBB wichtig, die mit einer „stillen Beteiligung“ ohne Mitspracherecht einstieg. Privates Risikokapital sieht Adleff kritisch: Bei vielen Venture-Capital-Gebern „ist die Bereitschaft erst dann groß, wenn man das Geld eigentlich nicht mehr braucht“.

Es gibt aber die „Business Angels“: Die im Business Angels Club Berlin-Brandenburg organisierten Unternehmer bieten Gratis-Beratungen für Gründer an und investieren mitunter in deren Firmen. „Die Venture-Capital-Kultur hat sich in Deutschland nie richtig durchgesetzt“, sagt der Medienunternehmer Bernd Monitor, der dem Vorstand angehört. Es gebe nur wenige Fondsgesellschaften dafür. „Ich aber investiere mein eigenes Geld.“ Jetzt will er sich an einem Start-Up beteiligen, das die Kommunikation in Industriebetrieben verbessern will. Hauptzielgruppe ist die Autobranche. Dass diese unter der Krise leidet, irritiert Monitor nicht: „Ich denke antizyklisch.“

Am Internet-Startup kaeuferportal.de beteiligte sich Lukasz Gadowski, ein weiterer Internetunternehmer aus den Kreisen der Business Angels. „Er hat uns viele Türen geöffnet“, lobt Robin Behlau, einer der beiden 24-jährigen Gründer. Die Firma vermittelt zwischen Käufern und Verkäufern – etwa bei Bürotechnik. Gesuche werden an Hersteller und Händler geleitet, die Angebote abgeben und dafür Provisionen zahlen. Der Käufer wird nicht mit Angeboten überhäuft,sondern erhält maximal drei vorsortierte Antworten. Das im März 2008 entstandene Unternehmen hat 25 Mitarbeiter. Wegen der vielen Arbeit übernachten die Chefs „drei bis vier Mal die Woche“ im Büro am Gendarmenmarkt.

Derweil gab das Internet-Musikradio Aupeo am Dienstag bekannt, dass eine „zweite Finanzierungsrunde erfolgreich abgeschlossen“ sei. Zuerst hatten „Business Angels“ in die Firma investiert, nun kam Venture Capital hinzu – unter anderem von der IBB Beteiligungsgesellschaft und der Ventegis Capital AG.

Kurz vor der Eröffnung steht das „Restaurant Reinstoff“ in Mitte, das „Haute Cuisine und Molekularküche“ vereinen soll. Dahinter stehen die Hotelbetriebswirtin Sabine Demel und zwei in der Gastronomie erfahrene Kollegen, die 2008 den Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg gewannen. Das beeindruckte ihre Bank, die jedem der Gründer 20 000 Euro Kredit einräumte.

Eine ganz andere Idee hat Ronald Markus, der eigentlich Drehbuchschreiber für TV-Sender ist: Er will Cafés bald mit verpackten Kuchen der Marke „Rons Feinster“ beliefern. Das Gebäck soll teils extravagante Aromen bieten und durch stabile Verpackungen besonders geeignet zum Mitnehmen sein. Markus richtete eine Backstube ein und stellte einen Konditor als Teilzeitkraft an. „Alles in allem hat das rund 35 000 Euro verschlungen.“ Die IBB gewährte 25 000 Euro als „Mikrokredit“.

Mit einem IBB-Darlehen startete auch Silke Kullik ihre Jugendschauspielschule „Stage Coach“; sie ist Lizenznehmerin einer britischen Gruppe. Ihr Eigenkapital betrug 13 000 Euro, 10 000 Euro bekam sie von der Bank. Nun ist die Schauspielerin stolze Chefin einer Theaterschule mit drei freiberuflichen Lehrern sowie 35 Kindern und Jugendlichen.

Von der IBB heißt es, Gründer hätten „in der Regel einen geringen Kapitalbedarf“, deshalb drohe „keine Verknappung“ der Kredite. Auch Susanne Schmitt-Wollschläger, IHK-Bereichsleiterin für Unternehmensgründungen, macht Mut: „Die Fördertöpfe sind voll.“

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