Berliner Wirtschaft : Winter-Erben trennen sich von Autos

Jetzt verkauft das Berliner Traditionshaus auch die Porsche-Zentren

Hennes Schulz

Berlin – Die Berliner Eduard-Winter- Gruppe trennt sich von ihren Sportwagenhäusern und kehrt damit dem Autogeschäft ganz den Rücken. Die Porsche- Zentren an der Charlottenburger Franklinstraße und der Zehlendorfer Goerzallee werden nach Recherchen des Tagesspiegels zum Monatsende über die Porsche Deutschland GmbH in das Mutterhaus des Stuttgarter Sportwagenherstellers integriert. Die Winter-Gruppe wurde 1925 gegründet und ist im Besitz der beiden Töchter des Gründers, Marion Jauß (68) und Madeleine Winter-Schulze (66).

„Einen Antrag auf Übernahme hat Porsche Deutschland beim Bundeskartellamt bereits gestellt“, bestätigte Porsche- Sprecher Albrecht Bamler. „Die Kaufverträge sind schon unterschrieben. Sie bedürfen nur noch eines Vorstandsbeschlusses der Stuttgarter“, heißt es bei Eduard Winter in Berlin. Die Zustimmung gilt aber als Formsache.

Die beiden Schwestern Jauß und Winter-Schulze – sie zählen zu den erfolgreichsten Frauen im deutschen Reitsport – wollten sich auf Anfrage nicht äußern. Nicht betroffen ist offenbar das zur Gruppe gehörende Porsche-Zentrum in Cottbus. „Was damit in der Zukunft wird, wissen wir noch nicht“, heißt es bei Winter. Ende 2005 hatte sich die Winter-Gruppe schon von ihren 19 Autohäusern für VW, Audi und Skoda in Berlin und Potsdam getrennt und sie an den VW-Konzern verkauft. Nur die Immobilien blieben im Besitz der Winter-Gruppe, die einst einer der größten VW-Händler Deutschlands gewesen war. Jeder dritte in Berlin zugelassene VW stammte zuletzt aus einem Winter-Autohaus.

Vor mehr als 80 Jahren hatte der gebürtige Rostocker Eduard Winter sein erstes Automobilgeschäft auf dem Berliner Boulevard Unter den Linden eröffnet und US-Marken wie Buick, Chevrolet und Cadillac vertrieben. Zusätzlich übernahm Eduard Winter 1930 die Opel-Vertretung für Groß-Berlin. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Eduard Winter Generalvertreter für Volkswagen und Porsche. 1954 eröffnete er am Kurfürstendamm seinen bekannten VW-Verkaufssalon.

Im März dieses Jahres schloss die Winter-Gruppe bereits ihr Porsche-Zentrum in Eberswalde und integrierte es mit seinen sieben Mitarbeitern in die Berliner Häuser. Jetzt stehen die 70 Berliner Mitarbeiter vor der Übernahme durch Porsche Deutschland. Arbeitsplätze sind nicht in Gefahr.

Dennoch dürfte es zu weiteren Veränderungen kommen. Der Mutterkonzern hält intensiv Ausschau nach einem geeigneten Grundstück zum Bau eines neuen, dem „Corporate Design“ des Sportwagenherstellers entsprechenden Porsche-Zentrums für Berlin und die Hauptstadtregion. Dabei sehen die Stuttgarter in Richtung Potsdam und Berlins Stadtrand in Zehlendorf. Das bestehende Porsche- Zentrum Süd an der Goerzallee entspreche nicht mehr den Vorstellungen des Konzerns, heißt es in Stuttgart. Das finanzstarke Käuferpotenzial der Hauptstadtregion müsse besser angesprochen werden. Hennes Schulz

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