Wirtschaftsbeziehungen : Chinesen im roten Wedding

Vize-Staatspräsident Xi Jinping besuchte erst das Werk von Bayer Schering – dann Merkel und Köhler.

Kevin P. Hoffmann
304522_3_xio-fcmsimage-20091012214411-006006-4ad3870b4c9e2.heprodimagesfotos84120091013chinese.jpg
Spielmacher. Vizepräsident Xi Jinping erhält von Bayer-Schering-Chef Andreas Fibig ein Trikot von Bayer Leverkusen. Foto: dpaBildzeitung dpa

Berlin - Wo bleibt Werner Wenning? Der hohe Gast aus China ist schon längst da, aber sein Gastgeber hängt irgendwo zwischen Luftraum, Rollfeld und Gepäckband in Berlin-Tegel fest. Am Ende verpasst der Bayer-Vorstandschef den wohl wichtigsten Besucher seines Konzerns seit Jahren: Chinas stellvertretenden Staatspräsidenten Xi Jinping, der als Nachfolger von Staatspräsident Hu Jintao gehandelt wird.

Montagmorgen mitten im verregneten Wedding, jenem Berliner Stadtteil, der einst berühmt war für seine kommunistischen und sozialistischen Umtriebe und in einem Arbeiterlied als „roter Wedding“ besungen wurde. Wedding ist auch der alte Schering-Stammsitz, heute die Zentrale von Bayer Schering Pharma. Als der schwarze Benz des Staatsgastes vorfährt, stürzen vier Chinesen mit Regenschirmen bewaffnet zu der Tür hinten rechts. Xi steigt aus, lächelt, eine dreiköpfige chinesische Trachtengruppe spielt fernöstliche Musik. Die Delegation geht in ein großes Zelt, das auf dem Betriebsgelände aufgestellt wurde.

Anstelle von Konzernchef Wenning übernimmt sein Berliner Stadthalter Andreas Fibig, Chef von Bayer Schering Pharma, die Begrüßung und gratuliert Xi und seinen rund 60 Begleitern zunächst zum 60. Jahrestag der Gründung der Volksrepublik China am 1. Oktober 1949. „Dazu auch von unserer Seite die herzlichsten Glückwünsche“, sagt Fibig.

Die Begrüßung dürfte ganz nach dem Geschmack des Chinesen gewesen sein. Dass er aber überhaupt eine Fabrik in Berlin besucht, liegt an der Bedeutung, die Bayer und seine Berliner Tochtergesellschaft in China haben. Sowohl Bayer wie auch Schering waren schon vor ihrem Zusammenschluss mehr als 100 Jahre lang auf dem chinesischen Markt präsent. 2008 war Bayer Schering Pharma mit 1,89 Milliarden Euro Umsatz sogar die Nummer Eins auf dem chinesischen Gesundheitsmarkt und beschäftigt dort heute 8200 Menschen. Also nimmt sich Xi, der mit seiner Delegation eigentlich nach Deutschland gekommen ist, um die Frankfurter Buchmesse zu besuchen, Zeit für Schering. Gespräche mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Horst Köhler finden danach statt.

Gastgeber Fibig würdigt in seiner Rede Chinas beispiellosen wirtschaftlichen Aufschwung. „Doch gleichzeitig steht China – wie alle Industrienationen – vor großen globalen Herausforderungen“, sagt Fibig. „Ich denke beispielsweise an die Themen Klima- und Umweltschutz, die nachhaltige Entwicklung und die Gesundheitsversorgung“. Bei letztgenannten Thema kommt Bayer Schering Pharma ins Spiel. Fibig verweist auf das im Februar 2009 eingeweihte Forschungs- und Entwicklungszentrum in Peking, in dem der Konzern jährlich 100 Millionen Euro investieren will.

Der Konzern erkennt in China einen Milliardenmarkt: Von Empfängnisverhütung bis Düngemittel – Bayer will für alles eine Lösung anbieten und tritt dort mit einem speziellen Slogan auf: „Bayer Solutions for China’s Needs“, lautet der. Lösungen für Chinas Bedürfnisse. Derzeit sucht China eine Lösung, um Diabetes in den Griff zu bekommen. Chinas Menschen werden mit steigendem Wohlstand immer dicker, mit entsprechenden negativen Folgen für die Gesundheit.

Das sind alles schwere ernste Themen. Xis und seine Leute lachen erst befreit auf, als Fibig in seiner Rede auf das Thema Fußball zu sprechen kommt. Er schenkt Xi ein Trikot der „Werkself“ Bayer 04 Leverkusen mit der Nummer 10, die traditionell der Spielmacher trägt. Das kommt offenbar noch besser an als alle sozialistischen Glückwünsche zum Geburtstag der Volksrepublik.

Bevor Xi seinen kleinen Rundgang durch die Produktionsanlagen antritt, bedankt er sich für das Trikot und das jahrelange Engagement in China. Dann macht er auch Bayer Schering Pharma eine Freude, als er ankündigt, dass seine Regierung den staatlichen Medikamentenkatalog erweitern will. „Ich habe hier das Gefühl gewonnen, dass wir gemeinsam auf einem guten Weg sind“, sagt Xi.

0 Kommentare

Neuester Kommentar