Wirtschaftsförderung : Ein neuer Service für Berliner Firmen

Die Berliner Wirtschaftsförderung ist nun beinahe so aufgestellt, wie es sich die Politik wünscht. Nach diversen Fusionen und Umstrukturierungen steht nur noch die Technologiestiftung (TSB) auf eigenen Füßen, doch auch für sie wünscht sich Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) eine „Kooperation und Verzahnung“ mit der landeseigenen Fördergesellschaft Berlin Partner.

Berlin - „Das steht als Nächstes an“, sagte Wolf am Montag anlässlich einer ersten Bilanz des neuen Unternehmensservice. So nennt sich das Bemühen der Berlin Partner in Verbindung mit den zwölf Bezirken um die bereits ansässigen Firmen. In der Sprache der Wirtschaftsförderer hieß das früher Bestandspflege. Doch in der Zeit nach der Vereinigung konzentrierte sich die Wirtschaftsförderung auf Akquisition und Ansiedlung neuer Firmen.

Dabei kommt dem Bestand eine herausgehobene Bedeutung zu, wie Senator Wolf betonte. Die in der jüngsten Zeit in Berlin neu entstandenen Arbeitsplätze seien vor allem von ansässigen Firmen angeboten worden. „Das entscheidende Wachstum gibt es aus dem Bestand“, sagte Wolf. Mit den neuen Beratern gebe es nun „ein einheitliches Serviceangebot aus einer Hand“. Im Übrigen beweise der Unternehmensservice, „wie gut man mit den Bezirken kooperieren kann“. Das war indes ein schwieriges Unterfangen, wie auch Christian Gräff, Wirtschaftsstadtrat von Marzahn-Hellersdorf, betonte. Viele Bezirke wollten sich von den landeseigenen Partnern nicht in ihr wirtschaftspolitisches Handwerk pfuschen lassen. Schließlich schlossen die Partner mit allen Bezirken Partnerschaften.

Die größten Widerstände wurden durch die Beteiligung der Bezirke bei der Personalauswahl überwunden. Insgesamt 24 neue Mitarbeiter stellen die Berlin Partner für den Unternehmensservice ein, davon zwölf direkt in den Bezirken. Insgesamt sieht das Budget der Berlin Partner für das neue Angebot drei Millionen Euro vor. René Gurka, Chef der Berlin Partner, wünscht sich von den neuen Leuten eine „aktive Ansprache der Unternehmen“. Konkret bedeutet das die „Betreuung der Schlüsselunternehmen im Bezirk“, sagte Stadtrat Gräff. Und dazu den Aufbau und die Pflege von Netzwerken.

Die in Marzahn-Hellersdorf eingesetzte Beraterin/Wirtschaftsförderin stammt aus Hannover. Insgesamt haben sich auf die 24 Stellen rund 1000 Personen beworben, ein Großteil davon aus dem Bundesgebiet. „Berlin zieht an“, kommentierte Gurka. Als Beispiele für bereits erfolgreiche Unternehmensbetreuung nannte der oberste Partner unter anderem ein Pharmaunternehmen, das mit Hilfe der Investitionsbank Berlin Fördermittel erhielt und nun eine Erweiterung der Berliner Produktion erwägt. In einem anderen Fall wurde einer Industriefirma mit 200 Mitarbeitern geholfen, den Standort von einem Bezirk in einen anderen zu verlagern, wo die Infrastruktur für den Maschinen- und Anlagebauer besser ist. Schließlich hilft der Unternehmensservice bei Reemtsma, dort gefährdete Arbeitskräfte in anderen Firmen unterzubringen. Die Reemtsma-Zigarettenfabrik schließt Ende 2011. alf

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