Wirtschaftskrise : „Mehr Geld ausgeben“

Krise, welche Krise? Beim Neujahrsempfang der Berliner Kammern üben sich die Gäste in Zuversicht.

Moritz Döbler

Berlin - Er ist eine noch junge Tradition, der gemeinsame Neujahrsempfang der beiden großen Wirtschaftsorganisationen Berlins. Zum fünften Mal luden am Freitagabend die Industrie- und Handelskammer (IHK) und die Handwerkskammer (HWK) Unternehmer, Politiker und Honoratioren ein.

Doch eine Tradition ist auch schon, dass Klaus Wowereit nicht erscheint – und sie sorgt für Verdruss. In der Begrüßungsansprache wünschte IHK-Präsident Eric Schweitzer den 1700 Gästen viel Glück und Erfolg, um dann hinzuzufügen: „Gleiches richten Sie bitte auch unserem Regierenden Bürgermeister aus.“

Ohne Begründung soll er abgesagt haben, noch nie nahm er teil. Gekommen war jedoch Staatssekretär Richard Meng, sein Sprecher, der sich verstimmt über die kritischen Töne zeigte. „Die wissen doch genau, dass er im Urlaub ist. Montag ist er wieder da.“

Im Zentrum der Gespräche bei Minipizzen, Quiche und Krautwickeln stand die einbrechende Konjunktur. Die Kammern forderten Berlin auf, sich an den geplanten Staatshilfen stärker zu beteiligen. „Die Berliner Wirtschaft darf den Anschluss nicht verlieren“, sagte HWK-Präsident Stephan Schwarz. Für das neue Jahr rechnen die IHK-Experten aber immerhin mit einem etwas besseren Konjunkturverlauf als im Bund, weil Berlin über wenig Industrie verfügt: Minus 1,7 Prozent lautet die aktuelle Prognose – nach plus 1,5 Prozent im alten Jahr.

Die Gäste übten sich in gegenseitiger Aufmunterung. So meinte Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD): „Wenn alle nach heute Abend einen Tick mehr Geld ausgeben, läuft die Berliner Wirtschaft ja automatisch.“ Bischof Wolfgang Huber empfahl für die Rezession Zuversicht und Besonnenheit. „Resignation ist jetzt ein schlechter Ratgeber.“Moritz Döbler

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