Zukunft des Stroms : Wolf will Energieversorgung Berlins dezentral organisieren

Solaranlagen auf Dächern, kleine Windräder im Stadtgebiet - so stellt sich der Berliner Wirtschaftssenator Wolf die Zukunft der Energieversorgung der Hauptstadt vor. Unternehmen setzen hingegen weiterhin auch auf Braunkohle.

Solarzellen auf Berlins Dächern - so stellt sich Wirtschaftssenator Wolf die Zukunft vor.
Solarzellen auf Berlins Dächern - so stellt sich Wirtschaftssenator Wolf die Zukunft vor.Foto: dpa

Berlins Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) sieht in Großkraftwerken keine Zukunft mehr zur Energieversorgung von Städten. Die Energieversorgung in Berlin sollte dezentral organisiert werden, sagte der Senator auf einer Veranstaltung der Berliner Wirtschaftsgespräche am Montag.

„Die Stadt muss zum Kraftwerk werden“, sagte der Senator. Die dezentrale Energieversorgung sei möglich unter anderem durch Solaranlagen auf Dächern, kleine Windräder im Stadtgebiet sowie Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen. „Ich halte wenig von gigantischen Offshore-Kraftwerken“, sagte Wolf. In Norddeutschland würden in solchen Anlagen große regenerative Energiemengen produziert, um dann teuer über Netze nach Süddeutschland transportiert zu werden.

Zu den Überlegungen des Energiekonzerns Vattenfall, ein großes Biomasse-Kraftwerk in Berlin zu errichten, sagte der Linke-Politiker: „Regenerative Energien im alten Gewand von Großkraftwerken zu erzeugen, macht keinen Sinn.“ Umweltsenatorin Katrin Lompscher (Linke) prüfe das Vorhaben derzeit.

Wolf sprach sich dafür aus, eine einheitliche Netzgesellschaft zur Organisation der Strom- und Fernwärme sowie Gasnetze in Berlin zu gründen. Die Konzessionsverträge für die Gasnetze laufen nach Worten des Senators 2013 und für Strom- und Fernwärmenetze 2014 aus.

Der Senat soll nach dem Willen Wolfs „mehr Einfluss auf strategische Entscheidungen zur Infrastruktur des Gemeinwesens erhalten“. Es drehe sich nicht um die Übernahme des operativen Geschäfts von Unternehmen der Daseinsvorsorge. „Das Monopol in der Fernwärmeversorgung soll aufgebrochen werden“, sagte Wolf.

Braunkohle bleibt „Eckpfeiler der sicheren Energieversorgung“

Nach Auffassung der Vereinigung der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB) muss die Energieversorgung der Region mit einer Mischung aus erneuerbaren Energien und Braunkohle sichergestellt werden. Deutschland sei aber insgesamt auf die Atomenergie als Brückentechnologie noch eine ganze Reihe von Jahren angewiesen, unterstrich UVB-Hauptgeschäftsführer Christian Amsinck.

Die aktuelle Atomdebatte in Deutschland könne dazu führen, dass der Anteil alternativer Energien an der Stromerzeugung schneller ausgebaut werde als bisher geplant. Auf lange Sicht bleibe aber die Braukohle „ein Eckpfeiler der sicheren Energieversorgung“. Besonders als heimischer und subventionsfreier Energieträger bleibe sie für Brandenburg beschäftigungspolitisch und wirtschaftlich von großer Bedeutung, betonte Amsinck.

Auch weltweit - vor allem in Schwellenländern wie China und Indien - werde der Einsatz von Kohle zur Energiegewinnung weiter zunehmen. Daher beinhalte die Entwicklung von energieeffizienten Kohlekraftwerkstechnologien einschließlich der unterirdischen Speicherung von Kohlendioxid (CCS-Technologie) große Potenziale, sagte der UVB-Chef. In diesem Bereich sei die Region mit Unternehmen wie Siemens Power Generation und MAN Turbo, aber auch mittelständischen Zulieferunternehmen gut aufgestellt.

Die weitere Nutzung der Braunkohle erfordere, schnell die Voraussetzungen für die Einlagerung von Kohlendioxid-Emissionen der Kraftwerke in unterirdischen Speichern zu ermöglichen. „Dafür muss die Bundesregierung jetzt dringend die notwendigen Voraussetzungen mit einem CCS-Gesetz schaffen“, sagte Amsinck.

Zwei Prozent Wachstum in Berlin und Brandenburg erwartet

Unterdessen blickt die Wirtschaft in Berlin und Brandenburg zuversichtlich auf das Geschäftsjahr 2011. „Wir rechnen mit einem Wachstum von zwei Prozent in beiden Bundesländern“, sagte Amsinck.

Keine Branche rechne mit Einbrüchen bei Kapazitätsauslastungen, Umsätzen sowie Beschäftigungsentwicklung und Investitionsplanungen, fügte Amsinck hinzu. Vielmehr erwarteten etliche Wirtschaftszweige wie die Metall- und Elektroindustrie, der Maschinenbau und auch Großhandel sowie Dienstleistungen steigende Umsätze. Auch sei die Zeit der Kreditklemme vorbei, ergänzte der UVB-Chef. Die meisten Unternehmen gingen davon aus, ihre für dieses Jahr geplanten Investitionen durchführen zu können.

Berlin und Brandenburg profitierten immer mehr vom Wachstum der Weltwirtschaft, sagte Amsinck. Inzwischen betrage die Exportquote der Berliner Industrie knapp 50 Prozent und die der brandenburgischen fast 30 Prozent. Die Auswirkungen der dramatischen Ereignisse in Japan auf die Weltkonjunktur seien derzeit noch nicht absehbar, fügte Amsinck hinzu.

Politik und Wirtschaft in Berlin und Brandenburg müssten sich jetzt auf die langfristigen Weichenstellungen konzentrieren. „Dazu zählen die Sicherung des Fachkräftebedarfs, eine leistungsfähige Infrastruktur als notwendige Basisinvestition, die Sicherung einer bezahlbaren Energieversorgung und eine nachhaltige Haushaltskonsolidierung, um finanziellen Spielraum für Investitionen zu haben“, sagte der UVB-Chef. (dapd)

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