Zweite Berliner Fluggesellschaft : Germania startet neu

Die zweite Berliner Fluggesellschaft neben Air Berlin, Germania, hat sich von den Turbulenzen erholt. In diesem Jahr rechnet er trotz steigender Kerosinpreise mit einer Ergebnisverbesserung.

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Grün-weißes Markenzeichen. Germania beförderte 2,2 Millionen Passagiere, 300.000 weniger als 2009. Trotzdem schrieb das Unternehmen schwarze Zahlen.
Grün-weißes Markenzeichen. Germania beförderte 2,2 Millionen Passagiere, 300.000 weniger als 2009. Trotzdem schrieb das...Foto: ddp

Hamburg Das Erbe von Hinrich Bischoff war zu spüren, als Germania – die zweite in Berlin ansässige Fluggesellschaft neben Air Berlin – am Dienstag in Hamburg-Finkenwerder ihren ersten Airbus A319 übernahm. Er trägt den Namen des legendären Gründers der Airline und markiert nach 13 Jahren den Beginn einer Flottenerneuerung.

1978 hatte Bischoff in Köln die mit drei betagten Caravelle-Jets operierende Charterfluggesellschaft Special Air Transport (SAT) übernommen, modernisiert und ihr 1986 den Namen Germania gegeben. Nach der deutschen Vereinigung verlegte der Jurist den Firmensitz nach Berlin. Einen Großteil seiner Flugzeuge vermietete er an andere Airlines rund um den Globus, wo sie unerkannt in den Farben des jeweiligen Kunden starteten.

Bischoff galt lange Zeit als „Phantom“ der Branche, weil er die Öffentlichkeit scheute und sich erst 2003 bei Gründung des Billigfliegers Germania Express fotografieren ließ. Kurz vor seinem Tod im November 2005 handelte er mit seinem Freund, dem Air-Berlin-Chef Joachim Hunold, aus, dass dieser die Germania im Rahmen eines Managementvertrages weiterführen sollte. Nach einem Veto der Erben blieb das Unternehmen jedoch eine selbstständige Fluggesellschaft im Besitz der Familie, für die wiederum die Germania eine Art große Familie ist. So waren Witwe Ingrid Bischoff und der im Rollstuhl sitzende Sohn Erik – dem Vater wie aus dem Gesicht geschnitten – gemeinsam mit zahlreichen Mitarbeitern bei der Übergabe des neuen Jets dabei.

Die Neuordnung der Germania war nach dem Tod des Gründers nicht ohne Hürden verlaufen. Der neue Geschäftsführer Olaf Markow musste nach zwei Jahren gefeuert werden und steht derzeit wegen des Verdachts der Veruntreuung von Firmengeldern vor Gericht. Die Identität der Fluggesellschaft drohte verloren zu gehen, weil man kaum noch für die eigene Marke flog. Der frühere Airbus-Manager Axel Trampnau steuert die Germania seit zwei Jahren als CEO wieder in ruhigeres Wetter.

Ein Teil der Jets wird vermietet. Dazu mietet Germania Charter- und Linienflüge

Im vergangenen Jahr beförderte Germania 2,2 Millionen Passagiere, rund 300.000 weniger als 2009. Trotz der Turbulenzen infolge des Vulkanausbruchs in Island seien aber schwarze Zahlen geschrieben worden, sagt Trampnau. In diesem Jahr rechnet er trotz steigender Kerosinpreise mit einer Ergebnisverbesserung. Fünf weitere Airbusse ergänzen in diesem Jahr die bisher aus elf Boeings 737 bestehende Flotte, drei weitere Airbusse folgen 2012 und 2013.

Erfolgreich setzt man auf das von Bischoff entwickelte Drei-Säulen-Konzept. Ein Teil der Flugzeuge wird vermietet. Sechs Boeings fliegen für die Air Berlin, zwei Airbusse wird die neue Airline Flynext im Auftrag von Germania betreiben. Zweites Standbein sind Charterflüge im Auftrag großer Reiseveranstalter wie Tui und Öger-Tours.

Dazu kommen eigene Linienflüge der weiß-grünen Jets, wobei sich Germania auf Nischenstrecken wie den Kosovo, den Libanon und den Irak spezialisiert. Nicht ohne Risiko. Auf den Strecken nach Aleppo und Damaskus hat es wegen der in Syrien zunehmenden Unruhen bereits erste Stornierungen und Umbuchungen gegeben, sagte Germanias Chief Technical Officer Andreas Wobig.

Wobig ist auch Chef der SAT, die als Besitzgesellschaft weiter existiert und die Flugzeuge an die Germania als Betriebsgesellschaft vermietet. Und er leitet den im Zuge der Neuorganisation als Germania Technik Brandenburg (GTB) ausgegliederten Wartungsbetrieb, der gemeinsam mit Air Berlin am neuen Flughafen BBI in Schönefeld einen eigenen Hangar baut. Dass man an der künftigen Heimatbasis höhere Gebühren zahlen soll, stößt bei Germania ebenso wie bei den anderen Airlines auf Protest. „Hier muss der Flughafen dringend noch etwas tun“, sagt Axel Trampnau dem Tagesspiegel. Gestern feierte er mit Ingrid Bischoff und der Germania-Familie erst einmal den neuen Jet – nach dem Überführungsflug im alten Hangar in Tegel.

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