Berliner Wirtschaftspolitik : Fusionieren und profilieren

Wirtschaftssenatorin Sybille von Obernitz stellt die Weichen der Förderpolitik neu: Berlin Partner und Technologiestiftung sollen fusionieren.

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Innovationshauptstadt soll Berlin werden, so wie am Medizinstandort Buch. Im Bild ein Gerät, mit dem der Medikamentenspiegel gemessen werden kann. Foto: Kitty Kleist-Heinrich
Innovationshauptstadt soll Berlin werden, so wie am Medizinstandort Buch. Im Bild ein Gerät, mit dem der Medikamentenspiegel...

Berlin - Am Mittwoch waren die letzten Aufsichtsratsmitglieder informiert worden, am Donnerstagvormittag dann erläuterte eine zufriedene Senatorin den großen Schritt. „Mit dem Ziel, die Wirtschaftsförderung von der Idee bis zum Produkt eines Unternehmens zu ermöglichen, sollen die TSB (Technologiestiftung) und Berlin Partner künftig in einer Gesellschaft zusammenwirken.“ Und damit das Ziel erreicht wird, übergibt Wirtschaftssenatorin Sybille von Obernitz (parteilos) das Amt des Aufsichtratsvorsitzenden der Berlin Partner an Günter Stock. „Das ist schlau“, war als Reaktion in Wirtschafts- und Gewerkschaftskreisen zu hören. Stock ist bereits Aufsichtsratschef der TSB, und in derselben Funktion bei den Partnern soll er nun „den Verschmelzungsprozess umsetzen“, wie Obernitz sagte. Bis spätestens Ende nächsten Jahres soll das erledigt sein.

IHK-Präsident Eric Schweitzer verspricht sich von der Fusion die Nutzung von Synergien, „die beispielsweise im Management der fünf Berliner Cluster zu einer enormen Effizienzsteigerung führen können“. Die IHK fordert seit Jahren eine Fusion der Fördereinrichtungen, die zwar beide – wie die IHK auch – im Ludwig-Erhard-Haus an der Fasanenstraße sitzen, aber angeblich nur unzureichend kooperieren. Der Chef der Technologiestiftung, Norbert Quinkert, wehrte sich immer gegen derartige Vorwürfe. „Wir brauchen keine Fusion“, so Quinkert vor gut einem Jahr im Gespräch mit dem Tagesspiegel. Zur besonderen Konstruktion der TSB sagte er, die Stiftung selbst fungiere als „Thinktank der TSB und die GmbH als wirtschaftsnaher Arm der TSB, der die Vorgaben der Stiftung umsetzt“. Beides seien kommunizierende Röhren, und „nun eine der Röhren abzuschneiden und mit den Berlin Partnern zusammenzulegen – das kann nicht funktionieren“, hatte Quinkert argumentiert. Doch genau das ist nun geplant.

Die Stiftung bleibt, wie und was sie ist, und die weitaus größere GmbH mit ihren rund 80 Mitarbeitern wird mit den Berlin Partnern (120 Mitarbeiter) fusioniert. Stock sagte am Donnerstag zu Quinkert, der sei „kein Freund dieser Sache, aber ich bin überzeugt, dass er den Prozess konstruktiv begleitet“. Skeptische Töne waren bei den Unternehmensverbänden UVB zu hören. Hauptgeschäftsführer Christian Amsinck sprach vom „Startpunkt für einen Diskussionsprozess“, in dem „inhaltliche und strukturelle Fragen zu klären sind“. Erst mithilfe der Antworten auf diese Fragen sei zu entscheiden, „ob die Fusion der richtige Weg ist“.

Obernitz, Stock und Schweitzer sind davon schon heute überzeugt, „weil der Service für die Unternehmen deutlich besser wird“, wie die Senatorin glaubt. Der IHK-Präsident kündigte an, die Fusion „nachdrücklich zu unterstützen“. Die Innovationsagentur GmbH soll mit den Berlin Partnern verschmelzen; an der fusionierten Gesellschaft wird dann auch die Stiftung beteiligt. „Spätestens Weihnachten 2013 wollen wir fertig sein“, sagte Obernitz. Stock erinnerte an die Gründung des TSB vor mehr als 20 Jahren als den Versuch, „aus Projekten Produkte zu machen“. Später habe die Politik dann die Schwerpunktfelder identifiziert (Cluster), die künftig von der fusionierten Gesellschaft beackert werden sollen. Der Wirtschaftsstandort Berlin sei nicht so profiliert wie der Kultur- und der Wissenschaftsstandort. Es sei an der Zeit, das zu ändern, sagte Stock.

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