Berlins Recyclingkonzern Alba : Keine Freude mehr mit Schrott

Der erfolgsverwöhnte Recyclingkonzern Alba muss sich sammeln. Die Rohstoffsparte schwächelt nämlich erstmals seit drei Jahren. Jetzt will Alba dort die Personalkosten drücken.

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Geschäft auf der Kippe. Bei Albas Sparte für Metallrecycling drückten gesunkene Margen und höhere Frachtkosten auf das Ergebnis. Beim Haushaltsabfall, hier Entsorgung in Berlin, ist die Lage noch relativ stabil, heißt es.
Geschäft auf der Kippe. Bei Albas Sparte für Metallrecycling drückten gesunkene Margen und höhere Frachtkosten auf das Ergebnis....Thilo Rückeis

BerlinBerlin - Die europäische Schuldenkrise hat Charlottenburg erreicht. Panik bricht zwar nicht aus an der Berliner Bismarckstraße, wo Alba, einer der größten Entsorgungs- und Recyclingkonzerne Europas, gesteuert wird. Gleichwohl sinkt die Stimmung, bricht doch mit den Halbjahreszahlen, die die Alba-Gruppe am Dienstag für ihre börsennotierte Rohstoffsparte verkünden musste, eine kleine Siegesserie: Erstmals seit drei Jahren verbuchte die Alba SE (bis Juli als Interseroh SE notiert) bei den Halbjahreszahlen ein Minus bei Ergebnis und Umsatz.

„Die Märkte für Rohstoffe und damit auch Sekundärrohstoffe lassen deutlich erkennen, dass die europäische Staatsschuldenkrise inzwischen auch auf die deutsche Realwirtschaft durchschlägt“, erläuterte Axel Schweitzer. Er steht als Vorstandschef der Sparte vor und führt gemeinsam mit seinem Bruder, dem Berliner IHK-Präsidenten Eric Schweitzer, den Gesamtkonzern, den ihr Vater 1969 im Berliner Wedding als Familienbetrieb gegründet hatte. „Angesichts der sich deutlich eintrübenden Konjunktur gehen wir von herausfordernden Zeiten aus“, sagte Schweitzer.

So komplex das Firmengeflecht aus 130 Unternehmen mit insgesamt rund 9000 Mitarbeitern in der Gruppe auch sein mag, so klar sind die Zahlen für die ehemalige Interseroh, wo die Brüder weite Teile des Rohstoffhandels der Gruppe gebündelt haben: Der Umsatz schrumpfte um gut sechs Prozent von knapp 1,13 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum auf nun 1,06 Milliarden in den ersten sechs Monaten 2012. Das Vorsteuerergebnis (Ebit) fiel um rund 20 Prozent auf 20,5 Millionen Euro.

Die diversen Sparten der ehemaligen Interseroh, die insgesamt etwa die Hälfte des Alba-Umsatzes ausmacht, haben sich dabei unterschiedlich entwickelt: Bei den Dienstleistungen stieg der Gewinn  von fünf auf 8,5 Millionen Euro. Man habe renditeschwache Kundenverträge gekündigt, hieß es dazu. Entsprechend stark ging zugleich der Umsatz in diesem Segment zurück – von 247 auf nur noch 171 Millionen Euro. Gleichwohl, behauptet Alba, würden sich innovative Rücknahmesysteme immer besser am Markt durchsetzen.

In der deutlich wichtigeren Sparte Stahl- und Metallrecycling lief es genau andersherum: Die Umsätze und das gehandelte Volumen stiegen leicht auf 889 Millionen Euro beziehungsweise 56 000 Tonnen Metall. Gesunkene Margen und höhere Frachtkosten drückten jedoch auf das Ergebnis, hieß es.

Was das für die Gesundheit des Alba-Imperiums bedeutet, lässt sich nur ahnen. Diese Zahlen der Alba SE, der ehemaligen Interseroh SE, seien für die Lage im Gesamtkonzern kaum aussagekräftig, sagte Unternehmenssprecherin Verena Köttker dem Tagesspiegel. Die nicht börsennotierte Muttergesellschaft veröffentlicht traditionell keine Geschäftszahlen, da auch die heimischen Konkurrenten wie Remondis oder Duales System Deutschland sich bedeckt halten. „Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass das klassische Entsorgungsgeschäft stabiler ist als der Rohstoffhandel. Das nationale Abfallaufkommen ist seit längerem ziemlich stabil“, sagte Köttker. Allerdings habe man für das Halbjahr auch konzernintern die Zahlen noch nicht komplett vorliegen.

„Ein kleinerer Teil“ des Geschäfts der Muttergesellschaft befasse sich ebenfalls mit dem Handel von Sekundärrohstoffen – etwa Kunststoffen, Papier und Holz. „Unsere generellen Aussagen zur nachlassenden Konjunktur gelten auch hier“, sagte Alba-Sprecherin Köttker.

Schwächelt die Wirtschaft – vor allem in den zuletzt stark wachsenden Schwellenländern –, wird weniger Stahl produziert. Entsprechend sinken die Preise für Schrott. Alba verweist auf das abgebremste Wachstum der chinesischen Wirtschaft und die geringe Nachfrage in Europa wegen der Unsicherheit infolge der Schuldenkrise. Beim Bundesverband der Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft (BDE), der rund 800 Unternehmen vertritt, bestätigt man den Trend. Der Altpapierpreis sei von 50 bis 65 Euro die Tonne im Mai auf zuletzt 25 bis 40 Euro eingebrochen, sagte Karsten Hintzmann vom BDE. Der Kurs für die Tonne blanken Kupferschrotts sei allein in gut zwei Wochen von Anfang bis Mitte Juli von 6000 auf 5850 Euro gefallen. Im März noch hatte der Verband bei einer Umfrage unter seinen Mitglieder einen positive Grundstimmung registriert. „Die ist nun einer Ernüchterung gewichen“, sagte Hintzmann. Nun würden einige Firmen sogar über Personalabbau nachdenken.

Das tut auch Alba. „Teil des Effizienzprogrammes für die Alba-SE-Gruppe ist auch eine Senkung der Personalkosten um insgesamt rund fünf Prozent“, sagte Firmensprecherin Köttker. Um dies möglichst sozial umzusetzen, würden derzeit in den Tochtergesellschaften Maßnahmen abgestimmt. „Die Mitarbeitervertretungen sind dabei eingebunden“, versicherte Köttker.

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