Wirtschaft : Bernd Thiemann: Chef der DG Bank tritt zurück

DG Bank-Chef Bernd Thiemann tritt nach wochenlangen Querelen um seine Person zurück. Dies gab der 57 Jahre alte Vorstandsvorsitzende des Spitzeninstituts der Volks- und Raiffeisenbanken am Dienstag in Frankfurt bekannt. Thiemann bat den Aufsichtsrat um die "baldige Entbindung" von seinem Amt. Der Manager begründete seine Entscheidung damit, den Streit um den geplanten Zusammenschluss der beiden Frankfurter Institute DG Bank und GZ-Bank beenden zu wollen. Thiemann leitet seit zehn Jahren als Vorsitzender die Geschicke der DG Bank.

"Ich will, dass diese Fusion ein Erfolg wird, und mache deshalb den Weg frei für schnelle, überzeugende Personalentscheidungen, damit die Leitungsfunktionen der neuen Bank besetzt werden können", sagte er. Die andauernden Unklarheiten über die mögliche Besetzung der Spitzenpositionen der geplanten neuen Bank behinderten den angestrebten Fusionsprozess und schadeten damit dem geplanten Institut. "Wichtige Schritte dürfen nicht an Personen scheitern." Persönliche Interessenlagen müsse man dann zurückstellen, betonte Thiemann. Er geht davon aus, dass der Aufsichtsratsvorsitzende der DG Bank, Christopher Pleister, seinen Rücktrittswunsch annehmen wird. Das Gremium tagt am 20. März. Am selben Tag solle möglicherweise auch schon eine Grundsatzvereinbarung über den Zusammenschluss von DG Bank und GZ-Bank unterschrieben werden, kündigte Thiemann an. Die Verhandlungen beider Häuser über einen Zusammenschluss seien "auf einem guten Weg". Sowohl in Fragen der Transaktion, als auch bei der finanziellen Bewertung beider Institute sowie in rechtlichen Punkten gebe es große Fortschritte. Ein formeller Fusionsbeschluss mit verbindlichen Rechtsfolgen stehe aber erst später an.

Im Gerangel um die Besetzung der Spitzenposition einer neuen fusionierten Genossenschaftsbank war es in den vergangenen Wochen zu Auseinandersetzungen zwischen Thiemann und GZ-Bank-Chef Ulrich Brixner gekommen. Querschüsse gegen Thiemann kamen außerdem aus der Zentrale der Düsseldorfer WGZ-Bank - dem dritten Spitzeninstitut der Kreditgenossen. Ihr Vorsitzender Werner Böhnke spricht sich strikt gegen eine mögliche Dreierfusion aus, die im Lager der Volks- und Raiffeisenbanken ebenfalls eine Rolle spielte.

Thiemann war zudem wegen der geplatzten Teilfusion mit der niederländischen Rabobank sowie wegen des schwachen wirtschaftlichen Ergebnisses im vergangenen Jahr auch hausintern in die Kritik geraten. Bislang war von einem massiven Rückgang des Betriebsergebnisses in der AG von 30 Prozent berichtet worden. Ein Sondergutachten hatte außerdem einen zusätzlichen Risikobedarf für gefährdete Kredite in Höhe von einer Milliarde Mark festgestellt. Eine Ausweitung der Kreditschieflage wird befürchtet. Die endgültige Bilanz für das Jahr 2000 will Thiemann am 20. März präsentieren. Ob sein Rücktritt eine Vorentscheidung zu Gunsten Brixners sei, wollte Thiemann am Dienstag nicht sagen. Er sei nicht mehr autorisiert über weiterführende Personalfragen Auskunft zu geben, betonte er. Für ein Mandat im Aufsichtsrat der DG Bank stehe er nach seinem Ausscheiden jedenfalls nicht zur Verfügung.

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