Bert Rürup : Ein Experte wird zum Makler

Beim ersten Auftritt für seinen neuen Arbeitgeber AWD war Bert Rürup ganz in seinem Element, er durfte mit Zahlen jonglieren. Und doch war es irgendwie anders.

Brigitta Moll

BerlinDer Ex-Wirtschaftsweise war Ende 2008 von der Politik in die Privatwirtschaft gewechselt, zum Finanzmakler AWD. Jetzt nennt er sich „Chefökonom“ und „Sonderberater für private und betriebliche Altersversorgung“. Zur Vorstellung der Studie zur Einkommenssituation der privaten Haushalte begleitete ihn ein weiterer Überläufer: Béla Anda, einst Regierungssprecher, ist heute auch bei AWD – als „Chief Communication Officer“ leitete er Rürups Comeback ein.

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Foto: dpa

Die Studie, die AWD im Auftrag des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) Essen erstellt hat, kommt zu dem Ergebnis, dass zwischen west- und ostdeutschen Privathaushalten erhebliche Einkommensunterschiede bestehen. Eigens dafür entwarf man den Begriff „Netto–Netto–Einkommen“, der das tatsächlich verfügbare Einkommen ausdrücken soll. Um dies zu ermitteln, zogen die Ökonomen vom Bruttoeinkommen nicht nur Steuern und Abgaben ab, sondern auch Ausgaben für Miete, Energie, Transport und Kinderbetreuung. Grundlage für die Untersuchung ist die Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) vom Statistischen Bundesamt aus dem Jahr 2003, für die 60 000 Haushalte befragt wurden. Die EVS wird alle fünf Jahre erhoben; die Zahlen für 2008 liegen noch nicht vor. Weil die alten Zahlen aber bis 2009 fortgeschrieben sind, die Entwicklung der Löhne und Preise also nachträglich errechnet wurde, kann offenbar auch ein Ex-Wirtschaftsweiser sie verwenden.

 Die Studie hat ergeben, dass Privathaushalten in Bayern am meisten Geld zur freien Verfügung steht: Nach Abzug der Ausgaben bleiben dort von einem durchschnittlichen monatlichen Nettogehalt in Höhe von 3009 Euro noch 54,2 Prozent übrig, das sind 1631 Euro. Am wenigsten Geld haben Haushalte in Mecklenburg-Vorpommern. Berlin liegt mit 48,4 Prozent „Netto-Netto-Einkommen“ im Mittelfeld.

Nun könnten Verbraucher an verschiedenen Ecken sparen, um mehr vom „Netto-Netto“ zu behalten. Sie könnten zum Beispiel den Strom- oder Gasanbieter wechseln. Bert Rürup aber, der neue Berater für private Altersversorgung, rät zur Prüfung des eigenen Telekommunikationsanbieters und – darauf hat man dann doch gewartet – auf die Wahl des Versicherers. Steuern senken oder Hartz IV umschichten – das ist für den neuen Rürup kein Thema mehr.Brigitta Moll

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