Wirtschaft : Bertelsmann AG: Die RTL Group hat mächtige Gegenspieler

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Im millionenschweren TV-Geschäft verfolgt Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff ein klares Ziel: Europas größte Fernseh- und Radioholding RTL Group soll der amerikanischen Medienmacht von AOL / Time Warner Paroli bieten. Nachdem im vergangenen Jahr AOL und Time Warner fusionierten und sich Bertelsmann von der gemeinsamen Tochter AOL Europe trennen musste, sucht Bertelsmann nach einer überzeugenden Antwort. Nach dem Aktientausch mit der GBL-Gruppe ist Middelhoff seinem Ziel am Montag einen Schritt näher gekommen. Zusammen mit der WAZ-Gruppe gibt der Gütersloher Konzern als Mehrheitseigner (67 Prozent) künftig bei RTL den Ton an.

Doch Bertelsmann blickt nicht nur nach Amerika. Auch auf dem deutschen Fernsehmarkt hat der Konzern einen mächtigen Gegenspieler: die Kirch-Gruppe. Die Bertelsmann-Senderfamilie kommt in Deutschland auf einen Marktanteil von 30 Prozent. Kirch beherrscht den Pay-TV-Markt sowie ein gutes Viertel des Free-TV. Beide Parteien haben im Jahr 2000 starke Partner gefunden: Kirch konnte für sein Bezahl-Fernsehen den australisch-amerikanischen Medienmogul Rupert Murdoch als Minderheitsgesellschafter gewinnen. Die Bertelsmann-Fernsehtochter CLT-Ufa verleibte sich mit Pearson TV den größten Produzenten von Spiel-Shows, Serien und Soaps ein und fusionierte im April 2000 zur RTL Group.

Die RTL Group ist nach Hollywood weltweit der größte Produzent von Fernsehfilmen und Europas führender Sportrechtevermarkter. Die 22 Fernseh- und 18 Radiosender der RTL Group erreichen in elf Ländern Europas mehr als 120 Millionen Fernsehzuschauer und 25 Millionen Radiozuhörer. Die Wurzeln des Unternehmens, das einen Umsatz von vier Milliarden Euro erwirtschaftet, reichen bis ins Jahr 1997, als sich die Luxemburger Compagnie Luxembourgeoise de Television (CLT) mit einer Allianz aus Bertelsmann (80 Prozent) und der Essener WAZ-Gruppe (20 Prozent) zur CLT-Ufa zusammenschloß. Bertelsmann und die WAZ-Gruppe wurden nach der Fusion mit Pearson TV mit 37 Prozent zusammen der dominierende Partner. Die Gruppe GBL (Groupe Bruxelles Lambert) hielt bis zum jetzt vereinbarten Tausch gegen 25,1 Prozent der Anteile an der Bertelsmann AG 30 Prozent und Pearson 22 Prozent. Rund elf Prozent der Anteile wurden an die Londoner Börse gebracht.

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