Bertelsmann : BMG verkauft, Napster-Streit beendet

Bertelsmann verkauft seinen Musikverlag BMG Music Publishing an das französische Medienunternehmen Vivendi. Der Verkaufspreis beläuft sich laut Bertelsmann auf 1,63 Milliarden Euro.

Gütersloh - Die Vivendi-Tochter Universal Music steigt damit zum größten Musikverlag der Welt auf. Dem Geschäft muss allerdings noch die EU-Kommission zustimmen, vor der unabhängige Plattenlabel voraussichtlich Vorbehalte geltend machen werden. Bertelsmann-Chef Gunter Thielen sagte, beide Konzerne seien aber zuversichtlich, dass Brüssel die Genehmigung erteilen werde. Bertelsmann legte auch seinen Rechtsstreit um die Musiktauschbörse Napster mit Universal bei.

Bertelsmann hatte seinen Musikverlag im Mai zum Verkauf ausgeschrieben. Die profitabel arbeitende BMG Music Publishing, bei der Künstler wie Christina Aguilera, Robbie Williams, Coldplay and Justin Timberlake unter Vertrag stehen, ist mit einem Umsatz von 371 Millionen Euro im vergangenen Jahr die Nummer drei in der Branche.

Sony BMG nicht betroffen

Die Gütersloher wollen den noch in diesem Jahr erwarteten Erlös aus dem Geschäft zur Tilgung eines Teils der Zwischenkredite verwenden, die der Konzern zum Rückkauf des von der belgischen Gruppe Bruxelles Lambert (GBL) gehaltenen Aktienanteils an Bertelsmann aufgenommen hatte. Für den Rückerwerb des GBL-Anteils von 25,1 Prozent musste der Gütersloher Konzern 4,5 Milliarden Euro aufbringen.

Der Plattenkonzern Sony BMG ist von dem Geschäft mit Vivendi nicht betroffen: Er kümmert sich um den das reine Musik-Verkaufsgeschäft und nicht um die Verwaltung der Rechte an Stücken, die im Verlag gebündelt sind. Der Europäische Gerichtshof hatte allerdings im Juli die Erlaubnis für die 2004 vereinbarte Fusion der Bertelsmann-Musikverkaufssparte mit Sony für nichtig erklärt und ein neues Genehmigungsverfahren angeordnet.

Streit wegen Napster beigelegt

Die von Bertelsmann wegen Napster gezahlten 60 Millionen Dollar (47 Millionen Euro) sollen zur Begleichung der Kosten verwendet werden, die Universal durch die juristische Auseinandersetzung entstanden waren. Bertelsmann betonte, an den Vergleich sei "keine Schuldanerkenntnis" geknüpft. Universal hatte Bertelsmann vor drei Jahren verklagt. Wie andere Plattenfirmen warf das Unternehmen den Güterslohern vor, mit Millionenzuschüssen an die kostenlose Musiktauschbörse Napster die massenhafte Verletzung von Urheberrechten gefördert zu haben.

Bertelsmann hatte usprünglich die Absicht, Napster zu einem kommerziellen Unternehmen aufzubauen. Der Plan scheiterte wegen der Rechtsstreitigkeiten. Das kostenlose Napster-Angebot wurde 2001 auf Anordnung eines US-Gerichts eingestellt. Heute bietet die Firma unter dem Namen Napster 2.0 nur noch legal erworbene Musiktitel gegen Bezahlung an. (tso/AFP)

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