Wirtschaft : Bertelsmann: Börsenpläne des Medienkonzerns offen

Ein "Excellence Programm" soll den Medienkonzern Bertelsmann AG fit für einen möglichen Börsengang machen. So hat es sich Bertelsmann-Vorstandschef Thomas Middelhoff vorgestellt. Das Ziel sind schlanke Strukturen und hohe Renditen. Musikgeschäft und Buchclubs werden radikal umgebaut, das Zeitungsgeschäft gleich völlig in Frage gestellt. Doch Middelhoffs forsche Gangart stößt zunehmend auf Widerstand.

Die Kritik konzentriert sich immer stärker auf den möglichen Börsengang in drei Jahren. In den Reihen der Gesellschafter mehren sich offenbar die Zweifel, ob man sich kurzfristigen Bewertungen durch Aktienmärkte und Investmentbanken überhaupt aussetzen sollte. In einem Interview mit der "Zeit" sorgte jetzt Reinhard Mohn, mächtigster Mann im Gütersloher Medienkonzern, für neue Spannungen. Er wisse nicht, ob es in drei Jahren wirklich Bertelsmann-Aktien an der Börse zu kaufen geben werde. Eilig wurde dies wieder korrigiert: Mohn hatte nur gesagt, er wolle nicht, dass "Bertelsmann unter fremden Einfluss gerät". Er bestätigte: "Die Bertelsmann AG rüstet sich in den nächsten drei Jahren für einen möglichen Börsengang." Allerdings: "Grundsätzliche Entscheidungen trifft auch in Zukunft die Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft."

Die seit einem "Spiegel"-Interview aufgeheizte Stimmung in Gütersloh und Hamburg spitzt sich weiter zu. Von einer kommenden Demontage Middelhoffs war die Rede, was Mohn letztlich zu der Klarstellung veranlasste. "Der Vorstand genießt mein volles Vertrauen", sagte Mohn, der auch deutlich machte, dass bei einer Aktienplatzierung die Unternehmenskultur uneingeschränkt erhalten bleiben soll. Doch die sehen immer mehr durch Middelhoffs ehrgeizige Reformpläne bedroht.

Den schwelenden Unmut an der Basis bringt niemand so pointiert zum Ausdruck wie die Hamburger Verlegerfamilie Jahr, Minderheitsgesellschafter des Zeitungs- und Zeitschriftenhauses Gruner + Jahr. Sie hatte das Verhalten des Bertelsmann-Chefs Middelhoff gerügt, Bernd Kundrun in seiner Autonomie als Vorstandsvorsitzender des Gruner + Jahr Verlags zu beschneiden.

Die Jahr-Familie und Thomas Middelhoff wollen heute in einem gemeinsamen Treffen die Fronten zwischen der Konzernzentrale in Güterloh und dem Gruner + Jahr Verlag klären. Dabei soll auch die Doppelrolle von Bernd Kundrun bei G+J ("Stern", "Financial Times Deutschland") und der Bertelsmann AG geregelt werden.

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