Wirtschaft : Bertelsmann bringt die WAZ-Gruppe ins Gespräch

GÜTERSLOH/ESSEN (rtr).Der Medienkonzern Bertelsmann setzt nach dem Verbot der geplanten Pay-TV-Allianz mit der Kirch-Gruppe durch die Brüsseler EU-Kommission im digitalen Fernsehgeschäft auf eine "kleine" Lösung."Wir streben weiterhin eine Einigung mit Kirch an, und zwar sobald wie möglich", sagte Bertelsmann-Sprecher Manfred Harnischfeger am Mittwoch.In einem Interview mit der Zeitschrift "Die Woche" hatte Bertelsmann-Chef Mark Wössner von einer kleinen Lösung gesprochen: "Wir wollen uns auf eine Plattform einigen, die kleiner ist das gewaltige Konzept, das wir in Brüssel angemeldet hatten".

Er hoffe, daß es noch in diesem Frühherbst zu einer Verständigung mit Kirch komme, damit das kommende Weihnachtsgeschäft für das digitale Fernsehen nicht auch noch verloren gehe.Dies gebiete die "unternehmerische Vernunft", betonte Wössner.Sollte das Bundeskartellamt eine 50:50-Lösung untersagen, möchte Bertelsmann offenbar die Essener Westdeutsche Allgemeine Zeitung, die WAZ-Gruppe, als dritten Partner ins Pay-TV-Boot aufnehmen.Wössner: "Wir arbeiten an einer Partnerschaft mit der WAZ, sie würde uns am nächsten stehen".

Konkrete Verhandlungen über einen Einstieg in die Pay-TV-Allianz mit Bertelsmann und Kirch gibt es nach den Worten von Erich Schumann, Geschäftsführer der WAZ-Gruppe, derzeit aber nicht.Wenn sich die Notwendigkeit ergebe, "sind wir bereit, derartige Beteiligungen offen zu prüfen", sagte er der dpa.Die Zeitungsgruppe sei ohnehin schon über eine Holding mit Bertelsmann an der Fernsehgesellschaft CLT/Ufa beteiligt und somit dem Gütersloher Medienriesen partnerschaftlich verbunden.

Wössner wandte sich zugleich gegen den Eindruck, sein Unternehmen wolle den australischen Medien-Giganten Rupert Murdoch vom deutschen Markt fernhalten.Das sei "ein Irrtum".Er könne sich auf dem deutschen Pay-TV-Markt sogar eine Kooperation mit Murdoch vorstellen.Wössner: "Prinzipiell ist Platz dafür".Es gebe aber auch andere Märkte, auf denen Partnerschaften mit dem australisch-amerikanischen Medienunternehmen denkbar seien.

Die EU-Kommission hatte im Mai die geplante Fusion des Kirch-Senders DF 1 mit Premiere untersagt.Daraufhin hatten Kirch und Bertelsmann beim Bundeskartellamt in Berlin eine Aufstockung ihrer Anteile an Premiere auf jeweils 50 Prozent angemeldet.Mit einer Entscheidung der Wettbewerbshüter wird Anfang September gerechnet.Derzeit hält der französische Rundfunkkonzern Canal Plus noch einen größeren Anteil an Premiere, will sich aber von seiner Beteiligung trennen.

Premiere teilte unterdessen mit, die Zahl der Abonnenten seines digitalen Programmpakets sei von 120 000 Mitte Juni auf inzwischen 200 000 gewachsen.Nach dem Neustart der Vermarktung von "Premiere digital" Mitte Juni habe sich die Zahl innerhalb weniger Wochen erhöht, berichtete das Unternehmen am Mittwoch in Hamburg.Der Anstieg zeige, daß bei den deutschen Zuschauern das Interesse an digitalen TV-Angeboten vorhanden sei.Neben Premiere bietet in Deutschland nur noch der Kirch-Sender DF 1 digitales Bezahlfernsehen an.

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