Wirtschaft : Bertelsmann: Ein Kandidat für den Dax

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Börsianer und Fondsmanager wären begeistert. "Bertelsmann an der Börse, die Aktie wäre in unserem Portfolio ein Muss", sagt Stefan Eger, der den Medienfonds des Dresdner Investment-Trust (DIT) managt. "Das wäre endlich einmal ein solides Medien-Unternehmen", meint Fiedel Helmer, Börsenchef beim Bankhaus Hauck & Aufhäuser. Die Zustimmung zu einem Börsengang des Gütersloher Medienkonzerns, der durch den Mehrheitseinstieg bei RTL ein wenig wahrscheinlicher geworden ist, ist in Frankfurter Börsenkreisen nahezu ungeteilt. Und Vorstandschef Thomas Middelhoff wird zugetraut, diesen Weg, dem sich Unternehmenspatriarch Reinhard Mohn immer verschlossen hat, behutsam, aber zielstrebig zu gehen. Schon in zwei, spätestens aber in drei Jahren könnte es die Bertelsmann-Aktie geben.

DIT-Fondsmanager Eger betrachtet die Bertelsmann AG als hochattraktives Unternehmen mit hervorragenden Perspektiven, weil das Unternehmen im Büchermarkt weltweit ganz vorne stehe und bei Magazinen - unter anderem über Gruner + Jahr - und im Fernsehbereich mit RTL im großen Geschäft mitmische. Sollten die Gespräche mit EMI zum Erfolg führen, wäre Bertelsmann auch im Musikgeschäft vorne mit dabei, sagt Eger. Eger würde sich einen frühen Börsengang des Konzerns wünschen. Möglichst, bevor die belgische Groupe Bruxelles Lambert ihr Aktienpaket an Bertelsmann in drei Jahren an der Börse platzieren kann.

Wie Eger hält auch Hauck & Aufhäuser- Börsenchef Helmer Bertelsmann für hervorragend gemanagt. "Das ist kein Newcomer, das Unternehmen steht auf vielen festen Standbeinen mit vielen Gewinnmöglichkeiten", sagt Helmer. Er wäre von der Aktie Bertelsmann vor allem deshalb angetan, weil die Medienwerte am Neuen Markt zum allergrößten Teil enttäuscht haben, nicht nur EM.TV.

So sieht es auch Trudbert Merkel, Fondsmanager bei der Deka, der Fondsgesellschaft der Sparkassen. "Bertelsmann wäre ein Wert der sich von den heute am Neuen Markt notierten Medienaktien deutlich abheben würde." Bertelsmann sei allein schon deshalb interessant, weil es in einer ganz anderen Liga spiele. "Das ist ein Medienkonzern, den man mit Warner Brothers oder Walt Disney auf eine Stufe stellen muss." Konsequenz für Merkel: Bertelsmann wäre auf jeden Fall ein Kandidat für den Deutschen Aktienindex Dax, der die 30 wichtigsten deutschen Aktien enthält. "Das wäre ein Farbtupfer, eine attraktive Bereicherung." Merkel, der Bertelsmann schon länger beobachtet, weil der Medienkonzern börsennotierte Unternehmen wie Pixelpark, Lycos Europe oder Barnes & Noble.com unter seinem Dach vereint, traut Vorstandschef Thomas Middelhoff zu, dass er den Medienkonzern nicht erst in drei Jahren, sondern schon vorher an die Börse bringt. "Er muss sich doch alle Optionen offen halten, gerade wenn er noch stärker als bislang global agieren will."

Friedrich Diehl vom Frankfurt-Trust, der Fondstochter der BHF Bank, wäre ebenfalls für eine Bertelsmann-Aktie zu begeistern. Das Papier müsse dann auch von den Fondsmanagern berücksichtigt werden, was den Kurs zumindest stabilisieren, wenn nicht nach oben treiben würde. Für Diehl ist der Börsengang des Unternehmens mittelfristig unausweichlich, "wenn Bertelsmann in der Medienwelt mithalten will". Auch bei der DWS, der Fondstochter der Deutschen Bank, oder bei Union-Investment, dem Fonds-Ableger der Volks- und Raiffeisenbanken, würde man das Papier sofort in die eigenen Fonds packen. Die Bertelsmann-Aktie wäre ein interessanter Wert, sogar ohne RTL, sagt DWS-Sprecher Eckhard Bergmann. "Aber", fügt er hinzu, "die Aktie wird bestimmt nicht billig."

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