Wirtschaft : Bertelsmann entstaubt seine Buchclubs

Defizitärer Geschäftsbereich soll profitabel werden und neue Kunden ansprechen – Modernere Filialen

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München (nad). Bertelsmann will seine defizitären Buchclubs attraktiver und profitabler machen. Nach dem Rückzug aus dem OnlineGeschäft soll die Clubsparte im kommenden Jahr wieder Gewinn machen. Wie die für den Buchclubbereich zuständige Bertelsmann Direct Group am Mittwoch in München ankündigte, starten die Clubs im Oktober mit moderneren Filialen, einem aktuelleren Programm und einem neu gestalteten Internet-Auftritt. Für das laufende Jahr rechnet die Direct Group allerdings erneut mit operativ roten Zahlen.

„Wir müssen unsere Clubs wieder flotter und attraktiver machen“, sagte Ewald Walgenbach, Leiter der Direct Group. Im vergangenen Jahr sei es in Deutschland „Monat für Monat abwärts“ gegangen. Während die traditionellen Buchclubs in Ländern wie Frankreich, Spanien oder den USA profitabel arbeiten, hat der deutsche Club 2002 rund 50 Millionen Euro Verluste eingefahren. Die gesamte Direct Group machte 2002 einen operativen Verlust von 234 Millionen Euro und war damit neben der Musiksparte das Sorgenkind des Bertelsmann-Konzerns.

Nach dem Abklingen des New-Economy- Hypes hatte sich der Geschäftsbereich vollständig aus dem Online-Geschäft Bol.com und dem US-Internetbuchhändler Barnes& Noble.com zurückgezogen und konzentriert sich nun wieder ganz auf das Buch- und Musikclub-Geschäft. Walgenbach räumte ein, dass das Image des Club Bertelsmann „etwas angestaubt“ sei und daher dringend aufpoliert werden müsse. Mit dem neuen Konzept sollen die Verluste in diesem Jahr um rund 70 Prozent verringert werden.

Erfolg in den 60er und 70er Jahren

Der Club Bertelsmann, den Firmenpatriarch Reinhard Mohn 1950 gegründet hatte, feierte vor allem in den 60er und 70er Jahren große Erfolge in Deutschland. In seinen besten Zeiten hatte der Club mehr als sechs Millionen Mitglieder. Der Geschäftsführer des Clubs, Rainer Wittenberg, betonte, dass in dem Clubkonzept nach wie vor großes Potenzial stecke. Wittenberg zufolge zählt der Club Bertelsmann mit etwa vier Millionen Mitgliedern und Filialen in 22 Ländern auch heute zu den größten internationalen Medienclubs. Der Club ist nach dem Weltbild-Verlag der zweitgrößte Buchverkäufer in Deutschland und macht einen Umsatz von 2,7 Milliarden Euro. An dritter und vierter Stelle folgen die Buchhandelsketten Thalia und Hugendubel.

Wittenberg räumte ein, dass der Club „bei der Leistung etwas nachgelassen“ habe. Im Oktober werde der Club deshalb einen kompletten Neustart wagen. Zwar bleibt das Grundkonzept gleich: Mitglieder können ausgewählte Bücher teilweise bis zu 25 Prozent reduziert im Club kaufen, müssen jedoch mindestens einmal pro Quartal zugreifen. Die Mitgliedschaft ist kostenlos.

Konzentration auf die Städte

Wittenberg zufolge wird sich der Club in Zukunft aber wieder stärker auf die Städte fokussieren. Dazu sollen 30 bis 40 Prozent der insgesamt knapp 350 deutschen Filialen an bessere Standorte ziehen. Dass es dabei auch zur Schließung oder Zusammenlegung von Filialen kommt, wollte Wittenberg nicht ausschließen. Entlassungen werde es im Zuge der Umstrukturierung aber nicht geben.

Zudem sollen alle Filialen bis Ende kommenden Jahres komplett umgebaut und moderner eingerichtet werden. Der Club will außerdem künftig mehr anspruchsvolle Literatur ins Programm nehmen. Bisher dominieren Belletristik, Hobby- und Kochbücher das Sortiment. In der Vergangenheit hatte es zwischen dem Club und dem Buchhandel häufig Ärger gegeben, weil Bertelsmann hochkarätige Bestseller – wie im vergangenen Jahr John Grishams „Die Farm“ – exklusiv verkauft und dem regulären Buchmarkt damit vorenthalten hatte. Hier will der Club künftig sensibler agieren: „In dieser Richtung werden wir nicht weitermarschieren“, sagte Rainer Wittenberg. Künftig sollen Mitglieder auch Bücher aus dem normalen Buchhandel beim Club kaufen oder bestellen können.

Wie viel Geld Bertelsmann in den neuen Club-Auftritt investiert, sagte Wittenberg nicht. Die Mitgliederzahl will der Club zunächst stabil halten. „Vier Millionen Mitglieder sind eine Basis, auf der wir sehr gut und profitabel arbeiten können“, sagte Wittenberg. Der Club gewinnt jährlich etwa 600000 neue Mitglieder, verliert aber auch etwa die gleiche Anzahl. Direct Group-Chef Walgenbach bezeichnete die Rückkehr seiner Sparte in die Gewinnzone als „oberste Priorität“. Im ersten Halbjahr sei der operative Verlust im Vergleich zum Vorjahr von 119 auf 17 Millionen Euro gesunken. Im zweiten Halbjahr soll die Sparte sogar mit einer schwarzen Null abschließen. Für das Gesamtjahr 2003 rechnet Walgenbach aber noch mit einem Ebitda-Minus von 15 bis 20 Millionen Euro. Für 2005 rechnet Walgenbach mit einer Umsatzrendite von drei bis fünf Prozent.

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