Wirtschaft : Bertelsmann favorisiert eine "Handlungsoption" für AOL Europe

Der Medienriese Bertelsmann steht kurz vor einer Entscheidung über die Zukunft des Gemeinschaftsunternehmens AOL Europe. "Wir haben eine Handlungsoption favorisiert und werden hierüber schnell entscheiden", sagte der Multimedia-Vorstand, Klaus Eierhoff, am Dienstagabend in Düsseldorf. Nach seinen Worten kommt ein Verkauf, ein Börsengang oder auch die Fortsetzung der Partnerschaft in Frage. Einen Zwang zum Verkauf gebe es nicht, betonte er. Bertelsmann und America Online (AOL) sind jeweils zur Hälfte an dem europäischen Onlinedienst beteiligt.

Nach der Übernahme des US-Mediengiganten Time Warner durch AOL Inc. war vielfach über einen Rückzug von Bertelsmann aus dem europäischen Joint Venture spekuliert worden. Time Warner ist einer der größten Konkurrenten von Bertelsmann. Vorstandschef Thomas Middelhoff hatte in der Folge der Übernahme gesagt, dass ein Onlinedienst nicht zu den Kerngeschäften von Bertelsmann gehöre. Zudem legte er seinen Posten im Vorstand der US-Firma nieder. Auf dem Höhepunkt der Übernahmeschlacht mit Vodafone AirTouch hatte Mannesmann sein Interesse an einem Einstieg bei AOL Europe geäußert.

Eierhoff kündigte außerdem an, durch einen Internetauftritt das Geschäft mit den Buchclubs wieder anzukurbeln. Neben dem klassischen Versandhandel und den Clubcentern soll über das Internet ein dritter Vertriebskanal erschlossen werden. Daher habe das Geschäftsfeld E-Commerce durch die Beteiligung bei BOL oberste Priorität, bestätigte auch Markus Payer, Pressesprecher bei Bertelsmann.

Zum 1. April 2001 wird Eierhoff bei Bertelsmann die Verantwortung für das Buchclub-Geschäft übernehmen. Der Bereich ist aus der Sparte Buch ausgegliedert worden. Der Manager räumte ein, dass der Konzern derzeit mit den Renditen der Clubs nicht zufrieden sei. Gegenwärtig zählt Bertelsmann in Deutschland rund vier Millionen Mitglieder in seinen Buchclubs.

Für das Internet-Geschäft prophezeite Eierhoff unterdessen in den kommenden Jahren eine Marktbereinigung durch Übernahmen und Allianzen. Er erwarte, dass am Ende drei bis vier bedeutende Spieler auf dem Markt übrig blieben und Bertelsmann dabei sei. Im Bereich Internet und E-Commerce rechnet Bertelsmann für seine Beteiligungen 1999/2000 mit einer Verdoppelung des Geschäftsvolumens auf 2,8 Milliarden Mark. In vier bis fünf Jahren wolle das Unternehmen in diesem Bereich außerdem "starke schwarze Zahlen" schreiben.

Den Börsenwert der Bertelsmann-Beteiligungen im Multimedia-Bereich bezifferte der Manager auf 45 Milliarden Mark. Zum Konzern gehört unter anderem auch die Internetagentur Pixelpark, an der Bertelsmann mit 58,8 Prozent beteiligt ist. Pixelpark hat entschieden, in den stark wachsenden mittel- und osteuropäischen Markt zu expandieren. Der Anbieter von integrierten Internet-Dienstleistungen übernimmt 75 Prozent an der east-europe.com Data AG in Wien, einem Tochterunternehmen der S&T System Integration & Technology Distribution AG; mit dieser wurde zusätzlich eine Service-Vereinbarung über die Nutzung der S&T-Infrastruktur in Zentral- und Osteuropa geschlossen wurde.

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