Wirtschaft : Bertelsmann freut sich auf Weihnachten

Medienkonzern expandiert trotz Konsumflaute

Henrik Mortsiefer

Berlin - Europas größter Medienkonzern Bertelsmann hält ungeachtet der schlechten Konsumstimmung in Deutschland an seinem Wachstumskurs fest. Obwohl das wichtige Weihnachtsquartal noch aussteht, bekräftigte Finanzvorstand Siegfried Luther am Dienstag die Prognose, dass Bertelsmann im Jahr 2004 „unverändert eine Verbesserung des operativen Ergebnisses und ein leichtes organisches Umsatzwachstum“ erwarte. Auch das Sorgenkind des Konzerns – das Buchclub-Geschäft – soll dem Vernehmen nach in diesem Jahr wie geplant einen zweistelligen operativen Gewinn erwirtschaften. Zum Halbjahr schlugen die Clubs noch mit roten Zahlen zu Buche.

Die Zwischenbilanz für die ersten neun Monate sieht auf den ersten Blick spektakulär aus: Zwischen Januar und September sprang der Konzernüberschuss vor Fremdanteilen von 162 auf 641 Millionen Euro, wie Bertelsmann am Dienstag in Gütersloh mitteilte. Das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern stieg von 375 Millionen auf 812 Millionen Euro, der Umsatz um 1,9 Prozent auf zwölf Milliarden Euro.

Der Gewinnsprung erklärt sich allerdings vor allem mit einer Änderung bei den Bilanzierungsregeln: Bertelsmann nimmt nach einer Umstellung seit Jahresbeginn keine Abschreibungen auf Firmenwerte mehr vor. Damit sind Wertminderungen von Beteiligungen und zugekauften Firmen gemeint. Diese hatten 2003 bis Ende September die Gewinnrechnung mit 470 Millionen Euro belastet.

Luther hob gleichwohl hervor, dass die operative Geschäftsentwicklung im bisherigen Jahr „sehr erfreulich“ verlaufen sei. Details über die einzelnen Sparten veröffentlichte Bertelsmann nicht. Zum Halbjahr hatte Bertelsmann in den Sparten Fernsehen (RTL Group), Musik (BMG), Druckereien (Arvato) und Buchverlage (Random House) positive Ergebnisse vorgelegt. Buchclubs (Direct Group) und Zeitschriften (Gruner + Jahr) waren hingegen zurückgefallen.

„Wir liegen mit den Clubs weitgehend im Plan“, sagte am Dienstag ein Sprecher der Direct Group dem Tagesspiegel. Das Halbjahres-Minus dürfe man nicht überbewerten. „Das Weihnachtsgeschäft ist für uns besonders wichtig.“ Bei den bisher defizitären britischen und deutschen Clubs sei man bei der Reduzierung der Verluste „deutlich vorangekommen“, hieß es. Mehr als 50 der 220 deutschen Club-Läden seien inzwischen umgezogen oder renoviert worden. In Berlin wurden fünf von insgesamt acht Filialen modernisiert. Bertelsmann investiert insgesamt rund 22 Millionen Euro in die Neuaufstellung der Läden. Ob die britischen und deutschen Buchclubs in diesem Jahr profitabel werden, ist dem Vernehmen nach aber zweifelhaft. So dürfte das Deutschlandgeschäft weiter Verlust machen, und auch in Großbritannien wird die Gewinnschwelle „eher schwer“ erreicht.

Im Musikgeschäft steht Bertelsmann die größte Herausforderung bevor. Die zum 1. August realisierte Fusion der Bertelsmann Music Group (BMG) mit der Musiksparte von Sony hat sich auf die Kennzahlen der ersten neun Monate noch nicht ausgewirkt. Die angekündigten „außerordentlichen Effekte“ müssen künftig noch berücksichtigt werden. Ob sie per saldo negativ oder positiv ausfallen, konnte ein Sprecher noch nicht sagen. Es handele sich aber nicht nur um Kosten. Beobachter hatten diese auf 370 Millionen Euro geschätzt. Bertelsmann verspricht sich von der Fusion Synergieeffekte in Millionenhöhe auf dem eingebrochenen Musikmarkt.

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