Wirtschaft : Bertelsmann gibt das Musikgeschäft auf

Sony-BMG-Anteil verkauft / Neue Sparte in Berlin

Berlin - Bertelsmann zieht sich weitgehend aus dem Musikgeschäft zurück und verkauft seinen Anteil an dem Gemeinschaftsunternehmen Sony-BMG an den japanischen Partner. Nach der Transaktion, die laut Sony ein Volumen von 1,2 Milliarden Dollar (770 Millionen Euro) hat, wird BMG künftig nur noch als Inhaber und Vermarkter von Musikrechten auftreten. Das Gütersloher Unternehmen werde die Rechte an den Aufnahmen von rund 200 vor allem europäischen Künstlern behalten, teilte ein Sprecher mit. Das neue Unternehmen unter dem Markennamen BMG (Bertelsmann Music Group) werde unter der Geschäftsführung des Musikmanagers Hartwig Masuch in Berlin angesiedelt. Sony betreibt das Musikgeschäft nun allein unter dem Namen Sony Music Entertainment.

Beide Unternehmen hatten Sony- BMG, den nach Universal Music weltweit zweitgrößten Musikkonzern, im August 2004 gegründet. Zu den Stars im Repertoire zählen unter anderem Justin Timberlake, Celine Dion und Bruce Springsteen. Sony-BMG vereint Plattenfirmen wie Arista, J Records und Zomba unter einem Dach. Das Kalkül, gemeinsam besser im schrumpfenden Tonträgermarkt bestehen zu können, war nicht aufgegangen. Sony-BMG verlor wie andere Musikkonzerne Umsatz im Geschäft mit CDs. Im vergangenen Jahr blieb bei Erlösen von rund drei Milliarden Euro nur ein operativer Gewinn von gut 180 Millionen Euro übrig. Eine Antwort auf die wachsende Konkurrenz der Online-Musikbörsen und illegalen Raubkopierer fand das Joint Venture nicht. Bereits 2006 hatte Bertelsmann den Musikverlag BMG Music Publishing für 1,6 Milliarden Euro an den Wettbewerber Universal Music verkauft.

Der Verkauf des Sony-BMG-Anteils kam für Beobachter nicht überraschend. Der seit Januar 2008 amtierende Vorstandsvorsitzende Hartmut Ostrowski hat alle Geschäftsbereiche zur Disposition gestellt, die kein Wachstum für den Medienkonzern bringen – unter anderem das Musikgeschäft und die Buchclubs, die Keimzelle des Unternehmens. Auch die Musik hat bei Bertelsmann eine lange Tradition: vor 50 Jahren gründete das Unternehmen das Plattenlabel Ariola.

Ins Portfolio von Sony passt das Musikgeschäft offenbar heute besser. „Wir können den Verbrauchern so ein umfassendes Unterhaltungsangebot unterbreiten“, sagte Sony-Chef Howard Stringer. „Wir sind überzeugt, dass dieser Schritt zum Wohle beider Transaktionspartner ist“, erklärte Bertelsmann- Chef Ostrowski.

Der Vertrag zwischen Bertelsmann und Sony beinhaltet, dass die von Sony Music verkauften CDs für die nächsten sechs Jahre weiterhin zum Teil bei der Bertelsmann-Industrietochter Arvato hergestellt werden. In dem Transaktionsvolumen von 1,2 Milliarden Dollar sollen nach Unternehmenskreisen auch steuerliche Effekte sowie der Wert der langfristigen Aufträge für andere Konzernbereiche enthalten sein. mot

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