Wirtschaft : Bertelsmann ist vorsichtig

Medienkonzern reduziert Gewinnprognose für 2011

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Berlin - Bertelsmann nimmt sich für das laufende Geschäftsjahr weniger vor als geplant. „Beim operativen Gewinn sind wir etwas vorsichtiger als bislang“, sagte Finanzchef Thomas Rabe am Mittwoch. Bertelsmann werde 2011 nicht – wie im Vorjahr – 1,85 Milliarden Euro operativ verdienen, sondern etwas weniger. Zur Begründung nannte Rabe die „Unsicherheiten im wirtschaftlichen Umfeld“. Insgesamt sei das Medienunternehmen für den weiteren Geschäftsverlauf aber „verhalten optimistisch“. Der Umsatz (2010: 15,8 Milliarden Euro) solle in diesem Jahr moderat steigen, die Umsatzrendite werde bei mehr als zehn Prozent liegen.

Das stark von Werbeerlösen abhängige Fernseh- und Printgeschäft von RTL und Gruner + Jahr hat sich in den ersten sechs Monaten erfreulich entwickelt. Auf den wichtigsten Märkten Deutschland und Frankreich legten beide Geschäftsfelder zu – und dies, obwohl zum Beispiel der deutsche TV-Werbemarkt insgesamt stagnierte. Bei der Dienstleistungstochter Arvato machte sich der Trend zur Digitalisierung erneut bemerkbar: Das Druck- und Replikationsgeschäft verzeichnete einen Rückgang, die Dienstleistungen wachsen. Auch bei Random House, der weltweit größten Publikumsverlagstochter, wächst das Digitalgeschäft. Nach Angaben von Bertelsmann-Chef Hartmut Ostrowski hat die Gruppe mehr als 27 000 E-Booktitel im Angebot.

Stetig gewachsen ist das in Berlin ansässige Musikrechtegeschäft bei BMG, das Bertelsmann zusammen mit dem Finanzinvestor KKR betreibt. So schloss BMG im ersten Halbjahr die Übernahme des britischen Musikverlags Chrysalis ab. Beim Kauf von Warner Music wurden die Gütersloher vor wenigen Monaten zwar von einem russischen Milliardär ausgestochen. Die nächste Möglichkeit könnte sich aber schon bald bieten – das britische Traditionslabel EMI steht zum Verkauf. „Wir beschäftigen uns mit dem Thema, weil es zu unserer Akquisitionsstrategie passt“, sagte Thomas Rabe.

Insgesamt zeichnete sich bereits im ersten Halbjahr ein erhöhter Druck auf den operativen Gewinn ab: Er sank im Vergleich zum Vorjahreszeitraum leicht von 754 auf 737 Millionen Euro. Der Umsatz stieg hingegen um zwei Prozent auf 7,2 Milliarden Euro. Ostrowski sieht noch keine konkreten Auswirkungen der jüngsten Finanzmarktturbulenzen auf das operative Geschäft. „Wir wissen noch nicht genau, was kommt“, sagte er. „Aber wir müssen im Moment sehr vorsichtig sein.“ Henrik Mortsiefer

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