Wirtschaft : Bertelsmann kämpft gegen deutliche Ertragsdelle

GÜTERSLOH (agr/HB)."Ich hätte den Konzern gerne besenrein an meinen Nachfolger Thomas Middelhoff übergeben", meinte Mark Wössner, der den Vorstandsvorsitz bei der Bertelsmann AG im Zuge des Generationswechsels Ende Oktober räumen und in den Aufsichtsrat wechseln wird.Das sei aber nicht gelungen.Die Ertragsqualität befriedigt ihn nicht: "Wir haben eine Ertragsdelle von 200 bis 300 Mill.DM zu verkraften," sagte er bei der Vorstellung des Geschäftsberichtes für 1997 und 1998 in Gütersloh.

Dennoch sei der Konzern auf einem guten Weg.Zu einer Prognose über das laufende Geschäftsjahr war Wössner zwar nicht zu bewegen.Er verwies aber darauf, daß es dem Konzern gelungen sei, in den letzten 15 Jahren jeweils ein Umsatzplus von um die 10 Prozent und eine Verbesserung des Ergebnisses von um die 100 Mill.DM zu erzielen.Dies werde auch künftig erreicht.Der Gruppenumsatz wird bereits in diesem Jahr allein durch die Konsolidierung der Akquisition der US-Verlagsgruppe Random House auf 28 Mrd.DM steigen.

Bei insgesamt "befriedigenden, zum Teil sogar hervorragenden Ergebnissen" gebe es in einigen Regionen und Geschäftsfeldern allerdings Ertragsschwächen.Finanzvorstand Siegfried Luther räumte ein, daß das Ergebnis ohne Veräußerungserlöse um 200 Mill.DM niedriger ausgefallen wäre.So wurden 1997/98 Sondereinnahmen in Höhe von 376 Mill.DM verbucht.

Sorgenkinder sind die Bereiche Buch und Musik, die für die " Ertragsdelle" verantwortlich gemacht werden.Ihr Beitrag zum Gesamtergebnis wird auf jeweils 20 Prozent beziffert.Sonnenschein herrscht dagegen bei Gruner + Jahr.Der Anteil am Gesamtergebnis des Konzerns wird auf 45 Prozent beziffert.Während das Musikgeschäft in den USA Marktanteile gewann und gute Gewinne erzielte, bereiten Ergebniseinbrüche in Japan, anderen asiatischen Märkten und Frankreich Kopfzerbrechen.Enttäuschend entwickele sich auch die Buch AG, vor allem aufgrund der Schwächen der deutschen und französischen Buchklubs.

CLT-Ufa und Multimedia, die neuen Geschäftsfelder und "Highlights der 90er Jahre", so Wössner, hätten sich insgesamt positiv entwickelt.Im Bereich Multimedia erwartet Wössner in zwei Jahren einen Umsatz von über zwei Mrd.DM, er liegt heute bei 0,7 Mrd.DM.Zum Thema Premiere (Pay-TV) erklärte Vorstand Michael Dornemann, daß derzeit alle Optionen offen seien.Dabei spielten auch Überlegungen über die Aufnahme neuer Partner eine Rolle.Spekulationen über einen Ausstieg wies Dornemann zurück, obwohl er "irgendwann" radikale Lösungen nicht ausschließt.Wössner hingegen bekräftigte seine Hoffnung, daß man noch in vier Wochen - also vor dem Ende seiner Amtszeit - eine Lösung finden werde.

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