Wirtschaft : Bertelsmann kann wieder zukaufen

Der Medienkonzern setzt trotz E-Book und iPad weiter auf klassische Printmedien

Gütersloh -IG METALL] Europas größter Medienkonzern Bertelsmann hat im vergangenen Jahr glänzend abgeschnitten. Das Unternehmen habe „bei höheren Umsätzen ein starkes operatives Ergebnis und eine herausragende Umsatzrendite erreicht“, sagte Vorstandschef Hartmut Ostrowski in einem am Dienstag erschienenen Interview im Intranet der Bertelsmann AG. Dazu hätten sowohl die gute Konjunktur als auch Einsparungen beigetragen. Zuletzt wurde ein Ergebnis von mehr als 500 Millionen Euro angepeilt. Konkrete Zahlen legt die Bertelsmann AG Ende März vor.

Das Unternehmen habe wieder genug Geld für Zukäufe, deutete Ostrowski an. „Die Netto-Finanzschulden betragen weniger als zwei Milliarden Euro. Wir liegen wieder unterhalb unserer eigenen Zielvorgaben für den Verschuldungsgrad. Damit haben wir jetzt neue Handlungsspielräume.“ Das Management sei jedoch nicht getrieben: „So wenig ein Zeitungskommentar uns die Bertelsmann-Strategie diktieren kann, so wenig werde ich um einer Schlagzeile willen übereilte Entscheidungen treffen oder in irgendeinen Aktionismus verfallen.“ Im vergangenen Jahr sei vor allem das vierte Quartal mit dem Weihnachtsgeschäft „überaus zufriedenstellend“ verlaufen.

Der Bertelsmann-Vorstandschef sieht eine stabile Zukunft für klassische Printmedien. E-Book und iPad seien „tolle, neue Medien“, sagte Ostrowski. „Aber das E-Book wird das gedruckte Buch nicht ablösen, und das iPad leitet auch nicht das Ende der gedruckten Zeitschriften ein.“ So seien die jüngsten Verkaufszahlen von iPad-Ausgaben amerikanischer Magazine rückläufig. „Einige Titel erlitten Einbußen um bis zu 20 Prozent. Das zeigt doch: Im Tablet-PC allein liegt noch nicht die Zukunft der Zeitschriften. Für mich ist es zudem ein Beleg dafür, dass die öffentliche Diskussion um die Digitalisierung sich viel zu sehr auf Fragen der – bezahlten oder nicht bezahlten – Inhalte beschränkt.“ Nach dem großen Konzernumbau der Vergangenheit will Ostrowski auch künftig Geschäfte hinsichtlich ihrer Zukunftsfähigkeit überprüfen. Der Bertelsmann-Konzern hatte in den vergangenen zwei Jahren unter anderem große Teile des Buchclubgeschäftes abgestoßen. dpa

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