Wirtschaft : Bertelsmann prüft eigene Handy-Marke

Medienkonzern steigert Umsatz und Gewinn – und will mit der Tochter Arvato jetzt auch in den Mobilfunkmarkt einsteigen

Henrik Mortsiefer

Berlin - Der Gütersloher Medienkonzern Bertelsmann will nach einem Gewinnsprung im Jahr 2004 Umsatz und Ergebnis auch im laufenden Jahr weiter steigern. „Wir haben 2004 Gas gegeben und schalten nun einen Gang höher“, sagte Vorstandschef Gunter Thielen am Donnerstag in Berlin. Bertelsmann habe finanziellen Spielraum gewonnen und sei für Zukäufe bereit. Der Medienmarkt werde sich 2005 leicht erholen, in Deutschland seien die Erwartungen allerdings „verhalten“. Bertelsmann macht 70 Prozent seines Umsatzes im Ausland.

Finanzvorstand Siegfried Luther sagte, die Bilanz 2004 gehöre zu „den besten, die ich in 15 Jahren präsentieren durfte“. Bertelsmann habe nach zwei Jahren Restrukturierung seine Schulden halbiert und die Profitabilität fast verdoppelt. Luther, der Ende des Jahre aus dem Unternehmen ausscheidet, sagte, Bertelsmann habe 1,5 Milliarden Euro für Investitionen und Akquisitionen zur Verfügung, ohne den Verschuldungsrahmen zu sprengen.

Das operative Ergebnis konnte Bertelsmann vor allem dank der guten Entwicklung bei der Fernsehgruppe RTL, im mit Sony fusionierten Musikgeschäft bei BMG und bei der Dienstleitungssparte Arvato steigern. Arvato-Chef Hartmut Ostrowski kündigte an, Bertelsmann denke über eine eigene Mobilfunkmarke nach. „Wir prüfen den Einstieg als MVNO“, sagte Ostrowski. Als Mobile Virtual Network Operation (MVNO) kaufen Anbieter Kapazitäten bei Netzbetreibern ein. Bertelsmann könnte dann – ähnlich wie Tchibo – mit einer eigenen Marke auftreten, ohne ein eigenes Mobilfunknetz zu betreiben. Gut zwei Jahre nach dem Ausscheiden von Ex-Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff und dem Abschied vom Internetgeschäft startet Arvato zudem in Kürze mit „GNAB“ eine eigene Downloadplattform „für digitale Inhalte aller Art“.

Auch das in der Direct Group gebündelte Buchclubgeschäft verbesserte sein Ergebnis. In Deutschland und Großbritannien blieben die Clubs aber defizitär. Das Buchverlagsgeschäft bei Random House profitierte unter anderem von Bestsellern wie „Sakrileg“ von Dan Brown (Originaltitel: „The Da Vinci Code“), dem meistverkauften Erwachsenen-Roman aller Zeiten. Gruner+Jahr konnte hingegen nichts zum Ergebnisplus beitragen. Der Rückzug aus Osteuropa und Investitionen in neue Zeitschriften-Projekte drückten den Gewinn des Verlagshauses.

Insgesamt stieg im Konzern das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Sondereinflüssen von 1,11 auf 1,43 Milliarden Euro. Der Umsatz erhöhte sich leicht von 16,8 auf 17 Milliarden Euro. Unter dem Strich blieb Bertelsmann ein Jahresüberschuss vor Fremdanteilen von 1,2 Milliarden Euro. Thielen zeigte sich zuversichtlich, dass Bertelsmann die angestrebte Umsatzrendite von zehn Prozent in den kommenden zwei bis drei Jahren erreichen wird. Derzeit liegt sie bei 8,4 Prozent.

Das Geschäftsjahr 2004 zahlte sich auch für den achtköpfigen Vorstand aus: Er verdiente zusammen 31,2 Millionen Euro – 1,1 Millionen mehr als im Vorjahr. Vorstandschef Thielen sprach sich gegen eine individualisierte Veröffentlichung der Bezüge aus. Für denkbar halte er aber, dass das Gehalt des Vorstandsvorsitzenden ausgewiesen werde. Nach Thielens Worten ist die Bezahlung der Bertelsmann-Vorstände von der Entwicklung der jeweiligen Bereiche abhängig. „Bei uns sind die Gehälter breit gespreizt.“

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