Wirtschaft : Bertelsmann: Rekordergebnis vorgelegt

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Der Bertelsmann-Konzern hat im Geschäftsjahr 2000/01 (30. Juni) den höchsten Gewinn der Unternehmensgeschichte erwirtschaftet, und dies trotz erheblicher Investitionen und nicht unerheblicher Belastungen im Internet- und Musikgeschäft. Das Ergebnis vor Zinsen Steuern und Abschreibungen wuchs um 79 Prozent auf 3,16 Milliarden Euro der Nettogewinn kletterte um 44 Prozent auf 968 Millionen Euro. Erreicht wurde dies bei Rekordinvestitionen in Höhe von 3,3 Milliarden Euro (plus 60 Prozent) und einem Abbau der Finanzschulden. Letztere konnten um zwölf Prozent auf netto 1,9 Milliarden Euro gesenkt werden. Ermöglicht wurde der Erfolg auch durch den Verkauf von AOL Europe und Media Ways, was in der Berichtszeit einen Veräußerungsgewinn vor Steuern von 3,2 Milliarden Euro brachte.

Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff übte sich bei der Vorstellung der Bilanzzahlen am Donnerstag in Berlin in Bescheidenheit. "Wir haben ein zufriedenstellendes Ergebnis auf hohem Niveau erreicht", charakterisierte er das Erreichte. Er ließ es sich allerdings nicht nehmen, darauf zu verweisen, dass der Konzerngewinn in den vergangenen drei Jahren mehr als verdreifacht und der Umsatz nahezu verdoppelt worden sei. Für die Zukunft ist Middelhoff nicht bange. Mögliche Auswirkungen der Terroranschläge vom 11. September ließen sich jetzt noch nicht benennen, aber die Pläne würden nicht revidiert und "mittel- und langfristig gehen wir von einer stabilen Konjunktur und weiterem Wachstum aus". Grafik: Die Ergebnisse des Bertelsmann-Konzerns Binnen drei Jahren soll die Umsatzrendite konzernweit auf rund zehn Prozent steigen. Künftig soll der größte Medienkonzern in Deutschland - die Nummer 1 in Europa und die Nummer 4 weltweit - auf drei Säulen ruhen. Inhalte, Kunden und Medienservices. Ziel ist es, für den Kunden die Inhalte in immer neuen Kombinationen und Formen durch einen eigenen Service zu vernetzen. Dafür ist die Bertelsmann AG im letzten Jahr neu strukturiert worden. Die Zukunft für Bertelsmann sei ein integriertes Medienunternehmen, das einerseits attraktive Inhalte generiere und Talente zur Entfaltung bringe und andererseits eine intensive vertrauensvolle Bindung zu seinen Kunden habe, so Middelhoff. Allein in den vergangenen dreieinhalb Jahren hat Bertelsmann rund drei Milliarden Euro in Inhaltegeschäfte investiert, was Früchte trug. Lag der Anteil der so genannten Content-Geschäfte im Jahr 1985 noch bei 30 Prozent des Gesamtumsatzes, sind es heute bereits mehr als 60 Prozent.

Das Internet gewinne immer mehr an Bedeutung und sei Bestandteil aller Geschäfte geworden, sagte der Bertelsmann-Chef weiter. Mit ihren E-Commerce-Geschäften und Werbeangeboten erreiche Bertelsmann und die mit dem Konzern verbundenen Unternehmen 41 Millionen "Unique Visitors". Man liegt damit knapp hinter dem weltgrößten Medienkonzern AOL Time Warner. Die Anlaufverluste (die bei genauerer Betrachtung zu einem guten Teil zu den Investitionen addiert werden können) haben im Berichtszeitraum 888 Millionen Euro und damit ihren Höhepunkt erreicht. Sie sollen im kommenden Jahr halbiert werden.

Strahlender Stern in der Bertelsmann-Gruppe ist das Fernseh- und Radiogeschäft mit der RTL Group. Das Betriebsergebnis erreichte den Rekordwert von 537 (Vorjahr 357) Millionen Euro. Die Umsatzrendite betrug damit 13,2 Prozent. Sorgenkinder waren im vergangenen Geschäftjahr die Bertelsmann Music Group (BMG) und die Direct Group. Der Umsatz von BMG sank in der Berichtszeit um 7,6 Prozent auf 3,7 Milliarden Euro, das Bereichsergebnis (Ebita) lag mit fünf Millionen Euro im Minus. Im Vorjahr wurden noch 224 Millionen Euro verdient. Ein neues Management sei installiert, die Struktur sei reorganisiert und es seien auch Arbeitsplätze abgebaut worden, so Middelhoff. Zweiter Problembereich ist die neu geschaffene Direct Group. Zu ihr gehören neben den Buchclubs auch die Musikclubs. Die Direct Group einschließlich aller E-Commerce-Geschäfte (insbesondere BOL) konnte zwar ihren Umsatz um 19 Prozent auf 3,8 Milliarden Euro steigern, das Bereichsergebnis lag aber mit 54 Millionen Euro im Minus. Bei den Buchclubs sei für 2002 ein ausgelichenes Ergebnis zu erwarten.

Zu den Engagements bei Pixelpark, Lycos und Napster nahm Middelhoff nur am Rande Stellung. Bei Pixelpark stehe man voll hinter dem Restrukturierungsprogramm, wolle aber einem strategischen Investor nicht im Wege stehen. Lycos werde seinen Weg gehen, und Bertelsmann sei dabei. Napster werde man helfen, aus dem illegalen in den legalen Bereich zu kommen.

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