Wirtschaft : Bertelsmann setzt auf Berlin

Buchclub-Sparte will mit Programm- und Marketingabteilung in die Hauptstadt umziehen

Henrik Mortsiefer

Berlin - Der Bertelsmann-Buchclub will mit seiner Marketing- und Programmabteilung nach Berlin umziehen. „Wir wollen an einen großen Kultur- und Verlagsstandort umziehen – unsere Präferenz liegt bei Berlin“, sagte Buchclub-Sprecher Gerd Koslowski am Freitag dem Tagesspiegel. Endgültig entschieden wurde zwar noch nicht. 80 Mitarbeiter, die im westfälischen Rheda-Wiedenbrück arbeiten, sollen aber nach den Plänen des Medienkonzerns schon bis Mitte des Jahres an die Spree umziehen.

„Wir haben bereits erste Sondierungsgespräche in Berlin mit dem Senat und der Wirtschaftsförderung geführt“, sagte Koslowski. Auch Hamburg und München stehen dem Vernehmen nach intern noch zur Wahl. Auf einer Mitarbeiterversammlung wurden die Beschäftigten am Freitag über das Vorhaben informiert. Die Mitgliederbetreuung, das Call-Center, der Vertrieb und die Buchhaltung des Buchclubs sollen mit rund 250 Mitarbeitern am Standort in Westfalen bleiben.

„Alle internationalen Clubgeschäfte sitzen in den kreativen Metropolen der jeweiligen Länder“, begründete Kosloswki die Umzugspläne der Marketing- und Programmeinheit. „Ein neuer Standort wäre ein Aufbruchsignal.“ Berlin sei einer der „kreativsten Standorte in Deutschland“ und habe „großes Potenzial“.

Das in der Direct Group des Bertelsmann-Konzerns gebündelte Clubgeschäft, mit dem Bertelsmann groß geworden ist, kämpft seit Jahren mit schwachen Umsätzen und mageren Gewinnen. Im ersten Halbjahr schlugen die Clubs mit roten Zahlen in der Bertelsmann-Bilanz zu Buche. Der deutsche Club soll 2004 bei einem Umsatz von zuletzt 370 Millionen ein Minus im einstelligen Millionen-Euro-Bereich verbucht haben. 2003 waren es noch 15 Millionen Euro, im Vorjahr 52 Millionen Euro. Auch das britische Clubgeschäft ist noch defizitär. Weltweit zählt Bertelsmann rund 30 Millionen Club-Mitglieder in 22 Ländern, in Deutschland sind es 3,6 Millionen. Im vergangenen Jahr verlor der deutsche Club 300000 Mitglieder. Seit Jahresanfang ist Marc-Oliver Sommer, der den erfolgreichen französischen Club France Loisirs und den spanischen Ableger Circulo de Lectores führt, auch Geschäftsführer der deutschen Clubs.

Um für die konsummüden Deutschen attraktiver zu werden, investiert Bertelsmann rund 22 Millionen Euro in die Neuaufstellung und Renovierung der rund 300 deutschen Läden. In Berlin gibt es acht Club-Filialen. Im laufenden Jahr solle außerdem „signifikant mehr“ in die Mitgliederwerbung investiert werden, wie Sprecher Koslowski sagte.

Der Umzug nach Berlin dürfe aber nur wenig kosten. „Wir müssen im laufenden Jahr einen zweistelligen Millionenbetrag einsparen.“ Filialen sollen allerdings nicht geschlossen werden. Bertelsmann entscheidet sich für Berlin, wenn die Gespräche mit dem Betriebsrat abgeschlossen sind. Und: „Ob wir uns für Berlin entscheiden, hängt auch von den Konditionen ab, die wir mit der Wirtschaftsförderung aushandeln“, sagte Koslowski dem Tagesspiegel.

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