Wirtschaft : Bertelsmann sieht sich für Multimedia gerüstet

Konzern erzielt mehr als 1 Mrd.DM Gewinn / Weitere Zukäufe sind "möglich"

GÜTERSLOH (dpa).Europas größter Medienkonzern, die Bertelsmann AG (Gütersloh), sieht sich nach dem Abschluß der Fusion von Ufa-CLT zur größten europäischen TV-Gruppe und nach der Einigung mit der Kirch-Gruppe beim digitalen Fernsehen für das künftige Mediengeschäft gerüstet.Wenn CLT/Ufa und der "Befreiungsschlag" im digitalen TV gelängen, werde das Unternehmen einen Quantensprung machen, sagte Vorstandschef Mark Wössner am Dienstag bei der Bilanzvorlage in Gütersloh.Er schloß dabei weitere Zukäufe nicht aus.Als nächstes Ziel, so Wössner, sei eine Akquisition auf dem US-Markt vorstellbar. Im Geschäftsjahr 1996/97 (30.Juni) erwirtschaftete Bertelsmann erstmals in seiner Geschichte mehr als 1 Mrd.DM Gewinn nach Steuern.Dazu hätten besonders die Ertragslage des Verlages Gruner + Jahr und der Buch AG beigetragen.Die Bereiche trugen rund 60 Prozent zum Betriebsergebnis bei.Insgesamt setzte Bertelsmann mit 57 200 Mitarbeitern weltweit 22,4 Mrd.DM um.Das waren "nur" 4,2 Prozent mehr als im Vorjahr, was der Vorstand damit begründete, daß die Umsätze der Ufa-Firmen nach der Fusion mit CLT nicht mehr voll im Bilanzabschluß enthalten sind.Bertelsmann habe sich durch die Verschmelzung gewissermaßen "verkleinert".Die Zusammenführung von Ufa und CLT zur größten europäischen TV-Gruppe sei die wichtigste Weichenstellung des vergangenen Geschäftsjahres gewesen, sagte Wössner.Mittlerweile entfallen fast 35 Prozent des Gesamtumsatzes auf die elektronische Unterhaltung."Wir haben eine ausgewogene Balance zwischen Stammgeschäft und dem Neuaufbau von Bereichen mit hohem Zukunftspotential", sagte Wössner. Beim Abonnementsender "Premiere" rechnet der Vorstand mit einer Erhöhung der Zahl der Kunden in den kommenden zehn Jahren von 1,7 Millionen auf fünf bis sechs Millionen.Deutschland werde der am weitesten offene Markt sein, sagte Vorstandsmitglied Michael Dornemann.Er erwarte, daß die Kartellbehörden die Zusammenarbeit mit Kirch und der Telekom beim digitalen Fernsehen genehmigen würden.Mit Kirch arbeite Bertelsmann nur auf einem kleinen Gebiet zusammen.Beim werbefinanzierten Fernsehen seien beide harte Wettbewerber, betonte Wössner. "Wir werden uns künftig auf unsere Stammgeschäfte konzentrieren und sie auf höchstem Niveau stabil weiterentwickeln", sagte er.Die umsatzstärkste Sparte, BMG Entertainment, wuchs um fast 10 Prozent auf 7,3 Mrd.DM.Danach folgten Buch (7,1 Mrd), Gruner + Jahr (4,8 Mrd) und Druck (3,6 Mrd.).Mit 700 Mill.DM Schulden sei Bertelsmann praktisch schuldenfrei. Der Bereich Multimedia mit dem Online-Dienst AOL/Bertelsmann und Compuserve soll als Zukunftsgeschäft ausgebaut werden.Nach den Worten Thomas Middelhoffs, der im kommenden Jahr Wössner ablösen wird, soll dieser Bereich in wenigen Jahren 2 Mrd.DM umsetzen.

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