Wirtschaft : Bertelsmann wird wieder konservativ

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Von Ursula Weidenfeld

Dass Thomas Middelhoff nun offenbar Bertelsmann verlassen muss, ist eine wirkliche Überraschung. Zu sehr hatte der smarte Manager das Unternehmen in den vergangenen vier Jahren auf seine Person zugeschnitten, als dass man geglaubt hätte, dass die Eigentümer-Familie Mohn ihn einfach fallen lassen würde. Zwar wurde nach dem Ende des Medienbooms immer offensichtlicher, dass dem eigenwilligen Firmengründer Reinhard Mohn der Internet- und E-Businesskurs von Middelhoff immer unheimlicher wurde. Und es wurde auch deutlich, dass er es bereute, die Zustimmung zu einem Börsengang von Bertelsmann gegeben zu haben. Dennoch: Dass es eine Alternative zu Middelhoff gab, hätte kaum jemand vermutet.

Die Alternative ist offensichtlich gefunden. Sie heißt Gunter Thielen und steht für eine Rückkehr zum vorsichtigen traditionsverwurzelten Bertelsmann-Konzern. Das Gütersloher Unternehmen, von dem Thomas Middelhoff behauptet hatte, es werde in der Weltliga die erste Rolle spielen, wird sich fürs Erste wieder mit bescheideneren Zielen begnügen müssen. Sie dürften vor allem darin liegen, das profitable Stammgeschäft zu stärken und bei den Zukäufen zu prüfen, was zum Unternehmen passt und was nicht. Insgesamt wird aus dem Unternehmen, das in den vergangenen Jahren Schlagzeilen vor allem mit E-Business und Internet machte, wie der Übernahme der Musiktauschbörse Napster zum Beispiel, wieder ein konservativeres Medienhaus werden. Der in Aussicht genommene Börsengang dürfte noch einmal überdacht werden. Und wahrscheinlich wird auch die Suche nach einem Nachfolger für den fast sechzigjährigen Thielen sehr schnell beginnen.

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