Wirtschaft : Bertelsmann zahlt 8,7 Millionen Euro für Napster

dpa/HB

Der Medienkonzern Bertelsmann wird die Vermögenswerte der schwer angeschlagenen US-Musiktauschbörse Napster übernehmen. Bertelsmann will den Napster-Gläubigern acht Millionen Dollar (8,7 Millionen Euro) zur Verfügung stellen, teilten Bertelsmann und Napster am Freitagabend mit. Bertelsmann hatte Napster zuvor bereits 85 Millionen Dollar zur Verfügung gestellt, um die Gesellschaft am Leben zu erhalten.

Bertelsmann will Napster in einen gebührenpflichtigen Abonnement- Dienst verwandeln. Bis dahin ist es jedoch noch ein weiter Weg, der Napster wahrscheinlich in absehbarer Zeit erst einmal zum Konkursrichter führen wird. Mit diesem Zwischenspiel dürfte die Klage der großen Musikfirmen gegen Napster wegen Urheberrechtsverletzungen vorerst auf Eis gelegt werden.

Die zuvor im Machtkampf mit dem Aufsichtsrat unterlegenen und danach ausgeschiedenen Vorstandsmitglieder, unter ihnen Napster-Chef Konrad Hilbers und Napster-Gründer Shawn Fanning, kehren zu Napster zurück.

Bertelsmann hatte die Zahlung von neuen Geldern an Napster zunächst eingestellt. Mit dem Ausscheiden der gesamten Führungsmannschaft und dem Versiegen der Bertelsmann-Gelder blieb dem Napster-Verwaltungsrat keine andere Wahl, als sich mit Bertelsmann zu einigen. Bertelsmann kann somit weiterhin auf die Technologie von Napster zurückgreifen.

Nach Darstellung informierter Kreise wird Napster wahrscheinlich einen Konkursantrag im Rahmen des Kapitel Elf des US-Konkursrechtes stellen, der eine Weiterführung der Geschäfte ermöglicht.

Napster werde Geschäftsmodelle finden, die Urheberrechte respektieren, Künstler entlohnen und den Konsumenten Unterhaltungswerte geben, erklärte Joel Klein, der Chef der amerikanischen Tochter Bertelsmann Inc.. Bertelsmann sei das richtige Unternehmen, um Napster in die Zukunft zu bringen, betonte Napster- Verwaltungsratsmitglied Hank Barry.

Napster muss aber für seinen neuen kostenpflichtigen Musikdienst erst Musiklizenzen von den großen Musikfirmen bekommen. Ob sich die anderen großen Musikfirmen AOL Time Warner, Vivendi Universal, Sony und EMI darauf einlassen werden, ist keineswegs sicher.

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