Bertha Benz : Frau am Steuer schrieb Geschichte

Bertha Benz glaubte an die Vision ihres Mannes Carl – und schrieb mit einer Pionierfahrt Geschichte.

Angela Elis
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Wenn in Stuttgart die Erfindung des Automobils gefeiert wird, wird vor allem Carl Benz, der geniale Maschinenträumer, geehrt, der am 29. Januar 1886 das Patent für seinen Motorwagen bekam. Dieses neumodische Gefährt, von dem die Allgemeinheit gar nicht wusste, was man damit eigentlich anfangen solle – man ging gemeinhin zu Fuß oder benutzte die Pferdekutsche –, war aber nicht nur das Ergebnis jahrzehntelanger Ingenieursarbeit, sondern auch das Produkt einer außergewöhnlichen Liebes- und Arbeitsgemeinschaft, die fast 60 Jahre andauerte.

Es war die junge Bertha Ringer, 20 Jahre alt, die 1869 die spinnerten Visionen des Tüftlers Carl Benz ernst nahm. Zunächst leierte sie ihrem Vater ihr Erbe aus dem Kreuz, damit sich Carl eine Werkstatt einrichten konnte. Als das Geld alle war, packte sie tatkräftig mit an, wickelte Induktionsspulen mit ihrer Nähmaschine, und wenn er nach etlichen Rückschlägen verzweifelte, trieb sie ihn resolut voran. Bertha Benz war atypisch für ihre Zeit, in der Frauen und Technik wie zwei Wesen von einem anderen Stern begriffen wurden. Ihr Vater hatte ganz zeitgemäß bei ihrer Geburt „Leider wieder nur ein Mädchen“ in die Familienbibel notiert.

1885, als der pferdelose Wagen straßentauglich war, setzte sie sich mit ihrem Mann ans Steuer und ließ sich bei Probefahrten übel verspotten und ertrug es, wenn man sie auf dem knatternden Mobil für den Teufel hielt. Dabei war sie die erste Frau, die ein Auto fuhr. Fahrverbote und Strafen führten dazu, dass niemand das Auto kaufen wollte. Zwei Jahre später nahm sie deshalb kurzentschlossen das Steuer in die Hand und unternahm im August 1888 mit ihren beiden Söhnen, 13 und 15 Jahre alt, die erste Fernfahrt der Welt. Eine tollkühne, lebensgefährliche Aktion. Carl sagte anerkennend: „Sie war wagemutiger als ich und hat die für die Weiterentwicklung des Motorwagens entscheidende Fahrt gemacht.“

Weil der Wagen bei der Tour von Mannheim nach Pforzheim bergauf geschoben werden musste, machte Bertha Carl den Vorschlag, einen dritten Gang für steile Anstiege einzubauen. Auch ließ sie unterwegs bei einem Schuster die durchs Bremsen abgeschliffenen Hölzer mit Leder beschlagen, und wurde so zur Erfinderin der Bremsklötze. Und sie bewies Improvisationstalent, als sie eine verstopfte Dichtung mit ihrer Hutnadel reinigte und ein durchgeschmortes Kabel mit ihrem Strumpfband isolierte. Einen Pannenservice gab es nämlich noch nicht.

Zehn Jahre später zogen sich Carl und Bertha Benz ins beschauliche Ladenburg zurück und begannen mit dem Bau zuverlässiger Wagen, die möglichst keine Reparatur brauchten und gaben so der Marke Benz den letzten Schliff.

Carl Benz starb im Jahr 1929. Die einstigen Konkurrenten Daimler und Benz waren da aufgrund der wirtschaftlich schwierigen Nachkriegsjahre schon zu einer Firma zusammengewachsen, um zu überleben. Bertha Benz lebte noch bis 1944. An ihrem 95. Geburtstag, zwei Tage vor ihrem Tod, wurde ihr von der Technischen Universität Karlsruhe, an der ihr Mann einst Maschinenbau studierte, die Würde einer Ehrensenatorin verliehen. Danach gerieten ihre Leistungen in Vergessenheit. Das Herstellen von flotten Flitzern wurde Männersache. Angela Elis

Die Autorin hat das Buch „Mein Traum ist länger als die Nacht – Wie Bertha Benz ihren Mann zu Weltruhm fuhr“ (Hoffmann und Campe) veröffentlicht

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