Beruf & Karriere : Denkpause im Weihnachtsstress

Wie Berufstätige am Jahresende Bilanz ziehen und das neue Jahr vorbereiten können.

Larissa Lee Beck
Im Rückblick. Arbeitnehmer sollten sich noch einmal vor Augen führen, was im vergangenen Jahr gut gelaufen ist.
Im Rückblick. Arbeitnehmer sollten sich noch einmal vor Augen führen, was im vergangenen Jahr gut gelaufen ist.Foto: dpa-tmn

Kurz vor Jahresende ballen sich oft die Termine, im Beruf wie im Privaten. Trotzdem lohnt es sich, einen Abend lang einmal nur über den Job zu reflektieren. Was war gut? Und was nervt? Und wie müsste sich die Arbeit ändern, damit das kommende Jahr besser wird? Es ist ein Luxus, für den sich nur wenige Berufstätige Zeit nehmen. Dabei gibt es nach Ansicht von Karriereexperten bei einem solchen Rückblick auf das vergangene Jahr viel zu gewinnen.

Berufstätige wissen hinterher häufig mehr darüber, woher Stress und Belastungen im Job rühren. Und ihnen ist klarer, wann sie mit ihrer Arbeit zufrieden sind. „Mit seinem Auto geht man auch zur Inspektion, um zu verhindern, dass es kaputtgeht“, sagt Kornelia Rappe-Giesecke, die zum Thema Karriere und Karriereberatung forscht und unter anderem an der Evangelischen Fachhochschule Hannover eine Professur für Supervision hatte. Es lohnt sich also, einen systematischen Jahresrückblick zu planen. Doch wie geht man das am besten an?

Wie sich der Job anfühlt

Ideal sei, bei der Reflexion drei Schritte zu machen, sagt der Karriereberater Sascha Schmidt aus München. Im ersten geht es um den klassischen Faktencheck. „Da sollte man einfach mal runterschreiben, was man eigentlich gemacht hat.“ Der zweite Schritt ist der emotionale Lebenslauf. Dabei überlegt man, wie man sich bei diesem Job eigentlich gefühlt hat. Im dritten Schritt überprüft man dann seine Persönlichkeit. „Man sollte hinterfragen: Was bremst mich aus? Was treibt mich voran?“, rät der Experte.

Ergänzend dazu können auch diese Fragen helfen: Was ist für mich eine Belohnung? Was ist für mich ein Horrortag? Was ist für mich Erfolg? „Die Antworten auf diese Fragen kann man dann abgleichen mit dem, was man im vergangenen Jahr eigentlich erlebt hat“, sagt Rappe-Giesecke. Falls das Ergebnis eher negativ ist, sollten Berufstätige fortfahren und weitere Fragen beantworten: Wie sieht mein idealer Arbeitsplatz aus? Gibt es eine bestimmte Branche, in der ich mich besonders wohlfühle? „Dies kann man dann wieder mit dem Erlebten abgleichen und erhält so eine präzisere Analyse“, erläutert Rappe-Giesecke.

Um sich zeitlich zu orientieren, bietet es sich an, in Quartalen zu denken, empfiehlt der Work-Life-Coach Carsten Alex aus Berlin. Oft vergessen Berufstätige im Rückblick viele Details. Sein Rat: Um das im Jahr darauf zu vermeiden, ist es hilfreich, sich ein Notizbuch zuzulegen und wichtige Ereignisse zu protokollieren.

Nach der Analyse hat man oft schon eine oder mehrere Ideen, was man verändern möchte. Doch viele wissen auch, wie schwierig es ist, diese auch umzusetzen. Man müsse zunächst einmal lokalisieren, was genau man verändern möchte, sagt Alex. Sind es die Arbeitszeiten, das Gehalt oder die Zusammenarbeit mit dem Chef?

Plan B

Schmidt warnt eindringlich davor, gleich einen radikalen Schnitt zu machen und zum Beispiel den Job zu wechseln. Stattdessen rät der Karriereberater, einen Plan B durchzuspielen. Berufstätige sollten sich fragen: Was wäre, wenn ich den Job nicht mehr hätte? Was würde ich dann machen? Wo würde ich mich bewerben? Wer sich seines Plans B bewusst ist, setzt eher Grenzen und sieht die Realität häufig ein Stück gelassener.

Doch noch mal einen Schritt zurück: Und wo macht man so einen Jahresrückblick am besten? Und mit wem? Berufstätige sollten sich auf jeden Fall ausreichend Zeit nehmen und dafür einen Ort der Ruhe finden, rät Work-Life-Coach Alex. Das kann zum Beispiel eine Bibliothek oder ein Museum sein. Ob man den Rückblick gemeinsam oder alleine macht, ist Geschmacksache. Mit einem Freund habe man eine externe Meinung und könne sich dem Thema besser nähern, sagt Schmidt. Keine gute Idee sei jedoch, den Partner zu Hause zu befragen, da der einem zu nahe steht.

Eines sollte auch klar sein: Veränderungen bedeuten Arbeit. Wer langfristig eine Verbesserung erzielen will, sollte auch langfristig denken. Regelmäßige jährliche Rückblicke helfen bei der Selbstreflexion. „Am besten macht man sich jetzt schon einen Termin für 2017 zum Bilanzgespräch“, rät Alex mit Blick aufs neue Jahr. dpa

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