Beruf: Veranstaltungstechniker : Der das Mikro aufbaut

Veranstaltungstechniker sind heute hier, morgen dort. Ihr Job: Sie übernehmen die technische Organisation von Konzerten, Messen oder Shows. In Berlin gibt es für sie besonders viel zu tun.

Sabine Meuter
Veranstaltungstechniker wie Marc Schütz sind ganz nah dran an den Stars – und live dabei, wenn die Show losgeht.
Veranstaltungstechniker wie Marc Schütz sind ganz nah dran an den Stars – und live dabei, wenn die Show losgeht.Foto: Daniel Karmann/dpa-tmn

Es ist ein Kult-Festival, das jährlich Tausende anlockt. Auch Marc Schütz. Doch der 22-Jährige ist nicht zum Feiern beim Open-Air-Festival „Rock im Park“ in Nürnberg. Er arbeitet dort.

Schütz ist bei der Firma satis&fy in Werne in Nordrhein-Westfalen im zweiten Ausbildungsjahr als Veranstaltungstechniker. Er baut Tonanlagen und Lichtpulte auf, verlegt Kabel, hängt Lampen und Scheinwerfer ein. So schafft er die technischen Voraussetzungen dafür, dass die Bands auf der Bühne im richtigen Licht erscheinen und ihr Sound gut zu hören ist. „Das ist echte Knochenarbeit, aber mit einem hohen Spaßfaktor“, sagt Schütz.

Gerade auch für Berlin spielt die Veranstaltungsbranche eine große Rolle. „Viele internationale Unternehmen haben die Bedeutung der Stadt als Standort für Kreative erkannt und hier Standorte gegründet“, berichtet Dennis Hoffmann, stellvertretender Sprecher der Arbeitsagentur Berlin-Brandenburg. Aufgrund des Wachstums der Branche werden ausgelernte Fachkräfte und angehende Azubis gesucht. „Es sind noch ausreichend freie Lehrstellen in diesem Bereich zu haben“, sagt Hoffmann. Falls es mit der Lehrstelle zum Veranstaltungstechniker nicht klappe, gebe es eine Reihe an Alternativen wie die Ausbildung zum Maskenbildner oder Fotografen.

Schwere Teile sind zu stemmen

Neben Lichtgestaltung, Beschallung und Stromversorgung kümmern sich Veranstaltungstechniker um den Aufbau von Bühnen und Videoleinwänden. „Da sind zum Teil sehr schwere Teile zu stemmen und zu montieren“, erklärt der Azubi. Doch bevor es soweit ist, muss die Veranstaltung technisch bis ins kleinste Detail ausgetüftelt werden. Die Planungen beginnen oft ein halbes Jahr vorher. Dann müssen Veranstaltungstechniker Genehmigungen einholen, An- und Abfahrtswege für Polizei und Rettungsdienste planen sowie sanitäre Einrichtungen ordern.

Marc Schütz lernt von der Pike auf, was er als Veranstaltungstechniker tun muss, damit „Rock im Park“, aber auch Opern, Kongresse, Messen und Fernsehproduktionen nicht zum Reinfall werden – weil Licht und Ton nicht stimmen. Die Ausbildung dauert drei Jahre. Jugendliche lernen im Betrieb, bei Veranstaltungen vor Ort sowie an der Berufsschule. „Wer sich für den Beruf entscheidet, muss körperlich belastbar, schwindelfrei und bereit sein, abends und am Wochenende zu arbeiten“, sagt Heike Krämer vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB). Außerdem braucht es gute Englisch-Kenntnisse, da Veranstaltungstechniker oft internationale Produktionen betreuen.

Ein Schulabschluss ist nicht vorgeschrieben

„Veranstaltungstechniker müssen ein ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein haben, damit ein Event technisch zum Erfolg wird“, erklärt Randell Greenlee vom Verband für Medien- und Veranstaltungstechnik (VPLT) in Langenhagen bei Hannover. Nach seinen Angaben starten pro Jahr über 1100 Menschen eine Ausbildung zum Veranstaltungstechniker. Ein Schulabschluss ist nicht vorgeschrieben, oft wird das Abitur verlangt. Dass künftige Azubis einen Hang zur Elektrotechnik haben und fit in Physik und Mathe sind, gilt als selbstverständlich.

Schütz findet es spannend, die Planung von „Rock im Park“ mitgemacht zu haben. Die Bands haben etwa oft konkrete Vorstellungen, welche Scheinwerfer zum Einsatz kommen sollen. Im Büro wird dann geprüft, welche einzelnen Teile am besten zusammenpassen und ob das Zubehör, das die eine Band wünscht, auch bei anderen Bands verwendet werden könnte. „Oft wird dann noch hin- und herverhandelt.“

Später geht es an die Feinarbeit. Am Computer werden Skizzen der Bühnen angefertigt, der technische Materialbedarf wird ausgerechnet. Kurz vor Festival-Start fährt das Team vor Ort: zum Aufbauen und Einleuchten. Es gibt Sound- und Lichtchecks, auch die Übertragung via Videoleinwand wird geprüft.

Brutto gibt es bis zu 2800 Euro

Die Ausbildungsvergütung ist regional und je nach Arbeitgeber unterschiedlich. Laut VPLT-Studie verdienen Azubis zwischen 600 Euro im ersten und 740 Euro im dritten Ausbildungsjahr. „Je nach Region und Tätigkeitsfeld im Unternehmen haben Fachkräfte ein Monatsbruttogehalt inklusive aller Extras zwischen 2250 und 2800 Euro“, sagt Greenlee. Die Vergütung und das Einkommen können aber auch niedriger sein, Tarifverträge gibt es nicht.

Fertige Fachkräfte arbeiten etwa bei Technikdienstleistern, Rundfunkanstalten, Messebauunternehmen oder Theaterhäusern. „Die Aussichten für eine feste Anstellung sind gut“, erklärt Greenlee. Viele Veranstaltungstechniker sind auch freiberuflich tätig. Wer Karriere machen möchte, kann eine Weiterbildung zum Meister für Veranstaltungstechnik machen oder studieren. Auch Schütz kann sich vorstellen, irgendwann freiberuflich tätig zu sein. Nach der Ausbildung will er aber erst einmal als Angestellter Erfahrungen sammeln. dpa/Tsp

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