Wirtschaft : Berufsausbildung soll moderner werden

Bildungsministerin Schavan fordert mehr Durchlässigkeit / Zahl der Ausbildungsplätze geht weiter zurück

Yasmin El-Sharif

Berlin - Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt hat sich wieder verschlechtert. Das geht aus dem Berufsbildungsbericht 2006 hervor, den Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) am Dienstag in Berlin vorlegte. Danach ist die Zahl der neuen Ausbildungsverträge 2005 im Vergleich zum Vorjahr um vier Prozent zurückgegangen (siehe Kasten). Die Ministerin macht für den Rückgang in erster Linie die schwache Konjunktur verantwortlich. „Der springende Punkt ist die Stimmung in den Unternehmen“, sagte die Ministerin. Hier erwarte sie im laufenden Jahr eine Verbesserung.

Schavan kündigte eine Modernisierung des Bildungssystems an. Ihre Initiative zur strukturellen Weiterentwicklung der beruflichen Bildung sieht eine engere Verknüpfung der Berufsausbildung mit den Hochschulen vor. „Die Durchlässigkeit zwischen den beiden Bildungsbereichen muss optimiert werden“, sagte Schavan. Die Initiative sieht vor, dass sich beispielsweise die in der Berufsbildung erworbenen Qualifikationen im Hochschulbereich leichter anrechnen lassen. Zudem sollen den Betrieben künftig mehr Anreize gegeben werden, Lehrlinge auszubilden. „Es muss für die Unternehmer leichter werden, einen Ausbildungsplatz anzubieten“, sagte Schavan. Damit würden auch die Chancen erhöht, möglichst viele Jugendliche in Ausbildung zu bringen.

Die Ministerin verwies auch auf den von ihr einberufenen „Innovationskreis berufliche Bildung“, der Anfang April zum ersten Mal getagt hatte. Darin erarbeiten Vertreter der Wirtschaft, Gewerkschaften, Wissenschaft, Schulen und Länder gemeinsame Strategien für Verbesserungen in der beruflichen Bildung. Dabei geht es auch um eine möglichst frühe Förderung von Jugendlichen, die aus unterschiedlichen Gründen Probleme beim Übergang in den Beruf haben. Zudem müsse man Jugendliche mit Migrationshintergrund stärker in die Berufsausbildung integrieren. Auch ausländische Unternehmer sollen stärker an die duale Ausbildung herangeführt werden, die nach wie vor das „Herzstück“ der Ausbildung in Deutschland sei, sagte Schavan.

Auch für den 2003 geschlossenen Ausbildungspakt erhofft sie sich Veränderungen. In dem Pakt hatte sich die Wirtschaft verpflichtet, drei Jahre lang jeweils 30 000 neue Lehrstellen zu schaffen. Der Pakt sei zwar ein „wichtiges Signal“, die strukturellen Probleme könne er aber nicht lösen, sagte Schavan. Die Bildungsministerin wünscht sich daher eine Weiterentwicklung des Paktes. „Wir müssen auf die zunehmende Spezialisierung von Betrieben und Berufsbildern reagieren, indem wir beispielsweise Verbundausbildungen anbieten.“ Zusätzlich müsse der Ausbildungswillen von forschungsnahen Branchen gesteigert werden.

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