Berufsbegleitendes Studium : Sport und Studium: Doppelt abgesichert

Immer mehr Studenten nutzen die Angebote von Fernhochschulen. Besonders für Profisportler bietet sich ein Fernstudium neben der Karriere an. Ein Basketballer berichtet.

Sebastian Gluschak
Profi – und dann? Spätestens mit Mitte 30 sei die Zeit auf dem Spielfeld vorbei, sagt Marc Liyanage (rechts). Er studiert deshalb an einer Fernhochschule, um sich auf eine zweite Karriere vorzubereiten.
Profi – und dann? Spätestens mit Mitte 30 sei die Zeit auf dem Spielfeld vorbei, sagt Marc Liyanage (rechts). Er studiert deshalb...Foto: Hendrik Schmidt/dpa

Was haben Fußballmanager Oliver Bierhoff, Ex-Bodybuilder Arnold Schwarzenegger und Olympiasiegerin Katja Seizinger gemeinsam? Sie alle haben studiert – neben ihrem eigentlichen Beruf. Eine Sportlerkarriere kann man eben nur schwer unterbrechen, der Konkurrenzdruck ist riesig und die physische Leistungskapazität zeitlich begrenzt. Wenn man dennoch eine Berufsqualifikation für die Zeit nach dem Sport anstrebt, ist das begleitende Fernstudium eine Alternative. Denn ein Studienabschluss entwickelt sich in Deutschland zunehmend zum Standard. Laut Bundesamt für Statistik hat die Anzahl der Studenten in Deutschland in den letzten zehn Jahre um 30 Prozent zugenommen, 58 Prozent des entsprechenden Bevölkerungsjahrgangs fingen 2015 ein Studium an. Die sogenannte akademische Inflation macht den Hochschulabschluss in vielen Berufen zunehmend zur Grundanforderung.

Jahr für Jahr steigt auch die Anzahl der Fernstudenten in Deutschland, private Institute verbuchen starke Zuwächse. In Deutschland gibt es rund zehn Fernhochschulen, die ein umfassendes Angebot an Bachelor-oder Masterstudiengängen anbieten. Staatlich geleitet wird nur die Fernuniversität Hagen, mit über 76 000 Studenten im letzten Studienjahr gilt sie sogar als größte Universität Deutschlands.

Bei Alba spielen, Maschinenbau studieren

Nicht nur für Profisportler bietet sich ein Fernstudium an, aber für sie ist diese Art des Lernens oft die beste Möglichkeit, einen Hochschulabschluss zu machen. So war es auch bei Marc Liyanage, 26, in der Saison 2015/ 2016 Profi-Basketballer bei Alba Berlin. Nach dem Schulabschluss stand er vor der Frage: Sport oder Studium? Mit 15 hatte er zum ersten Mal in der Hamburger Auswahl gespielt, dann war er auf eine Sportschule gewechselt, inklusive Leistungsdruck. Dass es zur Profikarriere reichen könnte, hoffte er damals schon, doch „es war ein schleichender Prozess“, sagt er.

Dass er trotzdem einen Hochschulabschluss machen wollte, stand für den Ingenieurssohn nie außer Frage. Nach seinem Schulabschluss versuchte er deshalb in den USA beides miteinander zu kombinieren. In Mississippi konnte er sich an der Delta State University zwar im Basketballteam durchsetzen, das Niveau der Mannschaft war jedoch nicht ausreichend für seine professionellen Ambitionen, und auch die Qualität des akademischen Angebots reichte ihm nicht aus. Also ging er nach nur einem Jahr zurück nach Deutschland.

Flexibles Studienangebot ist wichtig

Diesmal entschied sich Marc Liyanage aber gegen einen Kompromiss zwischen Profi-Sport und Studium, sondern steckte alle Energie in seine Leidenschaft Basketball. „Der Weg in die Bundesliga war mit hartem Training und vielen Extraeinheiten verbunden“, sagt Liyanage. Nach einigen Stationen in der zweiten Bundesliga schaffte er letzte Saison den Sprung zum Traditionsverein Alba Berlin, wo er als Angriffsspieler die Mannschaft verstärkt.

Um bis ans Lebensende ausgesorgt zu haben reicht das Gehalt als Basketballprofi in Deutschland nicht. „Ohne schwerwiegende Verletzungen kann man bis Anfang oder Mitte dreißig spielen“, sagt Liyanage. Und dann? Mit 24 Jahren entschied er deshalb, an der Wilhelm Büchner Hochschule in Darmstadt begleitend zu seinem Beruf ein Fernstudium zu absolvieren: Er studiert nun im Bachelor Maschinenbau, auf englisch. Das Studienangebot ist so flexibel gestaltet, dass Liyanage selbst über das Pensum und die Lernzeiten entscheiden kann, eine wichtige Voraussetzung für den oft wechselnden Sportleralltag. Die Doppelbelastung erfordere eine Menge Disziplin, sagt Liyanage: „Wöchentlich plane ich meine To-Do Liste, um alles unter einen Hut zu kriegen.“ Ein Online-Campus ermöglicht den ortsunabhängigen Austausch mit Studenten und Dozenten, virtuelle Repetitorien bereiten auf die Klausuren vor.

Fernhochschulen: Gravierende Qualitätsunterschiede

Liyanage wählte die Wilhelm Büchner Hochschule aus, weil sie seiner Meinung nach das beste Umfeld für technische Studiengänge bietet. Die Karriere nach der Karriere hat er auch schon geplant, am liebsten würde er in der Luftfahrt- oder Automobilindustrie arbeiten. Das Studium will er 2018 beenden.

Das Deutsche Institut für Servicequalität (DISQ) bewertete zehn Fernhochschulen bezüglich ihres Studienangebots – dabei legte es besonderen Wert auf die Service-und Vertragsqualität (siehe Kasten). Die Büchner Hochschule kam nur auf Platz sieben von zehn – und erhielt die Note „befriedigend“. Testsieger wurde das Institut für Lernsysteme mit Sitz in Hamburg, besonders das vielfältige Lehrangebot und eine hohe Kundenfreundlichkeit waren dafür ausschlaggebend.

Bei den meisten Fernhochschulen liegt der Fokus auf Wirtschaftswissenschaften, aber die Angebote erstrecken sich über die gesamte akademische Bandbreite. Die Fernuniversität Hagen etwa hat ein gutes Renommee in puncto Wirtschaft, worin sie sogar Doktoranden ausbildet, während die Wilhelm Büchner Hochschule eben einen Fokus auf technische Studiengänge legt. Thomas Kirchenkamp, Kanzler an der Wilhelm Büchner Hochschule, findet die Spezialisierung wichtig: „95 Prozent unserer Studenten sind berufstätig, die meisten in Vollzeit. Wir müssen das Lehrangebot und den Rhythmus ganz klar den Anforderungen der Studenten anpassen.“

Preislich gibt es große Unterschiede: die staatlich geförderte Fernuni Hagen bietet einen Bachelorstudiengang über sechs Semester für knapp 2000 Euro an, während das ILS für ein vergleichbares Angebot 5500 Euro verlangt. An anderen Instituten sind es mehr als 10 000 Euro. Ob Zusatzsemester mit inbegriffen sind oder nicht, sollte man je nach Studienverhalten gut überprüfen – sonst kann das teuer werden. Oliver Bierhoff zum Beispiel brauchte 36 Semester, bis er sein Diplom in der Hand hielt.

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