Berufswelt : Die Welt von morgen managen

Der Klassiker „Master of Business Administration“ hat Nachwuchs bekommen: Heute machen viele MBA-Programme gezielt fit für bestimmte Branchen.

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Auf in die Chefetage. Als Executive MBA kann man die Weiterbildung auch berufsbegleitend absolvieren.
Auf in die Chefetage. Als Executive MBA kann man die Weiterbildung auch berufsbegleitend absolvieren.Foto: imago stock&people

Marc Schmitt war gut im Geschäft, gestaltete Geschäftsberichte, Mitarbeitermagazine und andere Corporate-Publishing- Produkte für Unternehmen, viele davon aus der Finanzbranche. Dann kam die Finanzkrise – und der Designer musste zum ersten Mal in seinem Berufsleben aktiv neue Kunden gewinnen. „Damit hatte ich keine Erfahrung“, erzählt der 33-Jährige. Auch eine weitere Qualifikation fehlte ihm – zumindest auf dem Papier: „Ich wollte gerne mehr Strategieberatung anbieten, hatte das auch schon gemacht, aber weder eine entsprechende Ausbildung, noch Referenzen.“

Das nötige Rüstzeug erwerben

Die Lösung: Marc Schmitt absolvierte ein 18-monatiges Executive-MBA-Programm an der ESCP Europe, einer internationalen Wirtschaftshochschule mit Standorten in Berlin, Paris, London, Madrid und Turin. Zusammen mit knapp 70 Kommilitonen erwarb er, was ihm bisher fehlte: Wissen in Betriebswirtschaft, Finanzen, Marketing und Management. Der Preis: 51 000 Euro – und eineinhalb Jahre lang ein Balanceakt zwischen Job, Studium und seiner Familie mit zwei Kindern. „Es war ziemlich herausfordernd, aber für mich genau die richtige Entscheidung“, sagt der Hamburger rückblickend.

Der Master of Business Administration, kurz MBA – oder in der Teilzeit-Variante für erfahrene Berufstätige der Executive MBA – haben ihren Ursprung in den USA. In Deutschland gibt es die Abschlüsse seit den 1990er Jahren; richtig populär wurden sie allerdings erst im Zuge des Bologna-Prozesses. Führungskräfte und Nachwuchs-Manager ohne betriebswirtschaftlichen Hintergrund können in den Programmen das nötige Rüstzeug für eine Karriere im Management erwerben. Anbieter sind sowohl staatliche, als auch private Hochschulen.

Verschiedene Studiengänge

„Ein wichtiger Anhaltspunkt für Qualität sind die einschlägigen MBA-Rankings, etwa das der Financial Times“, sagt Frank Jacob, Inhaber des Lehrstuhls für Marketing am Berliner Campus der ESCP Europe und Akademischer Direktor des European Executive MBA-Programms der Hochschule, „außerdem die Akkreditierung bei einer der drei großen Akkreditierungs-Organisationen.“ Das seien die AACSB (American Association of Collegiate Schools of Business), die AMBA (Association of MBAs) und die EQUIS für Europa.

Neben den klassischen, generalistischen MBA-Programmen sind in den vergangenen Jahren auch zahlreiche Angebote hinzugekommen, die gezielt für bestimmte Branchen oder Einsatzbereiche fit machen – vom Gesundheitssektor über die Kreativwirtschaft bis zur Unternehmensgründung. Die ESCP Europe bietet an ihren fünf Standorten insgesamt 20 Master-Programme mit unterschiedlichen Schwerpunkten an.

Hoffnung auf Festanstellung

Und auch andere Berliner Bildungsträger bauen ihr Angebot weiter aus. So starten an der SRH Hochschule Berlin im kommenden Wintersemester gleich vier neue MBA-Programme: Betriebliches Demografie- und Gesundheitsmanagement, Business Administration, Erneuerbare Energien und internationales Gesundheitsmanagement. Bewerber brauchen laut Hochschule einen ersten Studienabschluss sowie mindestens zwei Jahre Berufserfahrung. Alle Studiengänge kosten 19 800 Euro.

ESCP-Absolvent Marc Schmitt hatte mit seinem Studium anfangs noch eine weitere Hoffnung verknüpft: nach all den Jahren als Selbstständiger endlich eine Festanstellung und „etwas mehr Bequemlichkeit“. Dass es dann doch anders kam, hat er seinem eigenen Einfallsreichtum zu verdanken. „Noch während des Studiums habe ich mit einem Kommilitonen ein Unternehmen gegründet.“ Evertracker ortet Paketsendungen per GPS und informiert Sender und Empfänger über deren  Verbleib. Zwei weitere Firmen sind inzwischen hinzugekommen.

Seine früheren Studienkollegen aus aller Welt sind heute für ihn nicht nur ein wichtiges berufliches Netzwerk. „Es sind wirkliche Freundschaften entstanden.“ Die Arbeit im Team frei von Konkurrenzdenken ist Schmitt aus seiner Studienzeit besonders in Erinnerung geblieben – „ganz anders als ich es aus meinem Designstudium kannte.“ Das, so vermutet er, habe vor allem daran gelegen, dass die Teilnehmer allesamt schon Berufs- und Lebenserfahrung mitbrachten. Wohl die wichtigste Voraussetzung für einen guten Manager.

Mehr im Internet: www.escpeurope.eu, www.srh-hochschule-berlin.de

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