Wirtschaft : Beruhigungspille für die Anleger

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Von Daniel Rhee-Piening

Es ist Wahlkampfzeit und die Politiker werben um Vertrauen. Sie versprechen dem Bürger und Anleger Sicherheit. Sicherheit bei der Rente und Sicherheit bei der Kapitalanlage. Also stellt Bundesfinanzminister Hans Eichel eine Art Bilanzpolizei in Aussicht. Die schnelle Eingreiftruppe soll geschönte oder gefälschte Bilanzen aufdecken und die verantwortlichen Vorstände der Staatsanwaltschaft und ihrer gerechten Strafe zuführen.

Eichel braucht die Sicherheit an den Kapitalmärkten, denn ohne steigende Aktienkurse wird sich das Rentenmodell seines Kollegen Riester als Flop erweisen. Die Deutsche Börse unter ihrem Chef Seifert braucht verlässliche Kapitalmärkte, denn sonst treten die potenziellen Anleger in den Streik, packen ihr Geld wieder aufs Sparbuch, und die Umsätze brechen ein. Dann sinkt auch der Kurs der Aktie der Deutsche Börse AG.

Eichels Idee, die Bilanzkontrolle zu verschärfen ist populistisch. Sein Vorstoß, mehr und besser ausgebildetes Personal einzustellen, klingt zwar gut, doch es bestehen Zweifel, dass die schnelle Eingreiftruppe effektiver arbeitet, als die meisten der bereits heute tätigen Wirtschaftsprüfer. Und: Was passiert denn, wenn die neue Ermittlungseinheit ihren ersten Fall löst? Es ist die Geschichte vom Hasen und vom Igel, der Schaden ist angerichtet, Banken und Anleger sind geprellt. Vorstände mit krimineller Energie werden immer nach Gestaltungsspielräumen suchen, Lücken in den Gesetzen finden, und „kreative Buchführung“ betreiben. Wenn die aufgedeckt wird, wird bei den Vorständen häufig nur ein Bruchteil des angerichteten Vermögensschadens zu holen sein. Für die Anleger ist es dann kein Trost, wenn der Manager verurteilt wird. Und die Abschreckungswirkung der schärferen Kontrollen wird auch verfliegen. Was Eichel bietet, ist eine Beruhigungspille. Mehr nicht.

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