Bespitzelungsaffäre Telekom : René Obermann gerät ins Visier

Die Bespitzelungsaffäre um die Deutsche Telekom zieht immer weitere Kreise: Telekom-Chef René Obermann soll versucht haben, die Affäre zu vertuschen. Medienberichten zufolge wurde in eine der betroffenen Redaktionen sogar ein "Maulwurf" eingeschleust, um Journalisten auszuspionieren.

Obermann
Hat er Bescheid gewusst? Konzernchef René Obermann. -Foto: dpa

München/BonnIn der Bespitzelungsaffäre bei der Deutschen Telekom gerät nun auch Vorstandschef René Obermann unter Druck. Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, versuchte Obermann offenbar, die Affäre nach außen zu vertuschen, als im Sommer 2007 die erste Bespitzelung eines Journalisten entdeckt wurde. Ein Konzernsprecher räumte gegenüber der Zeitung ein, die Telekom habe es damals versäumt, die betroffene Redaktion zu unterrichten. Man habe gehofft, den Fall aus der Öffentlichkeit heraushalten zu können.

"Die Telekom hat die Redaktion damals nicht informiert", zitiert das Blatt den Sprecher. Rückblickend könne man dies kritisch hinterfragen. Man sei davon ausgegangen, dass es sich um einen Einzelfall handele. Das Bonner Unternehmen informierte den betroffenen Redakteur vor einigen Tagen, nachdem weitere Bespitzelungsfälle aufgetaucht waren. Nach Informationen der Zeitung handelt es sich bei dem bespitzelten Journalisten um Reinhard Kowalewsky vom Magazin "Capital". Dieser hatte 2005 und 2006 wiederholt über Interna aus Vorstands- und Aufsichtsratssitzungen berichtet. Spiegel Online berichtet gar, dass eine Detektei beauftragt worden war, einen "Maulwurf" in die Redaktion einzuschleusen.

Obermann hat den Posten als Telekom-Chef im November 2006 von Kai-Uwe Ricke übernommen. Er war zuvor Chef der Mobilfunksparte und gehörte in dieser Funktion ebenfalls dem Vorstand an. Ein Sprecher der Telekom betonte gegenüber der Zeitung jedoch, im Vorstand sei über die Bespitzelungsaktion nie gesprochen worden. Ricke sagte der Zeitung: "Ich habe zu keinem Zeitpunkt einen Abgleich von Telefondaten in Auftrag gegeben." Ihm seien auch zu keinem Zeitpunkt Ergebnisse einer solchen Aktion mitgeteilt worden. Er habe dem Leiter der Konzernsicherheit einen Auftrag erteilt, undichte Stellen zu finden. Damals seien wiederholt sensible Informationen an die Öffentlichkeit gelangt. (sba/ddp)

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