Besserer Schutz : Die Angst der Anleger um ihr Geld

Der Zusammenbruch der Lehman-Bank hat zehntausende Anleger in ihre ganz persönliche Finanzkrise gestürzt. Nach Schätzungen der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz haben rund 50 000 Menschen ihr Geld in Lehman-Zertifikate gesteckt. In Zukunft sollen Sparer besser geschützt werden.

Heike Jahberg

Berlin - Der älteste Mandant ist 100 Jahre alt. Zwei Weltkriege habe der Rentner überlebt, bevor ihn die Frankfurter Sparkasse um seine Ersparnisse gebracht habe, berichtet der Frankfurter Anwalt Matthias Schröder. 28 000 Euro hatte der Anleger in Lehman-Zertifikate gesteckt – ob der Mann das Geld wiedersehen wird, steht in den Sternen.

Der Zusammenbruch der Lehman-Bank hat zehntausende Anleger in ihre ganz persönliche Finanzkrise gestürzt. Nach Schätzungen der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz haben rund 50 000 Menschen ihr Geld in Lehman-Zertifikate gesteckt – vermittelt von den Sparkassen, der Dresdner Bank und der Citibank. Mit der Pleite der US-Investmentbank wurden diese Papiere über Nacht wertlos.

Doch viele Anleger wollen sich das nicht gefallen lassen. Mit Demos machen sie ihrem Ärger Luft. Unter dem Druck der Öffentlichkeit haben die Citibank, die Hamburger und die Frankfurter Sparkasse erste Vergleiche mit den Kunden geschlossen. Andere Anleger gehen vor Gericht, weil sie sich schlecht beraten fühlen. Noch fallen die Urteile sehr unterschiedlich aus. Wie erfolgreich die Klagen wirklich sind, wird sich erst zeigen, wenn die ersten Oberlandesgerichte am Zug sind.

Doch nicht nur die Lehman-Anleger haben schlaflose Nächte hinter sich. Monatelang mussten die Kunden der isländischen Pleitebank Kaupthing um ihre Einlagen bangen. Das Problem: Die Spargelder der 34 000 deutschen Kunden waren nicht vom deutschen Einlagensicherungsfonds geschützt. Rund 300 Millionen Euro standen auf der Kippe. Die Politik schaltete sich ein und verhandelte. Im Juni begann die Rückzahlung der Einlagen.

„Die Krise hat die Menschen zum Nachdenken gebracht“, sagt Manfred Westphal, Finanzexperte beim Bundesverband der Verbraucherzentralen. Und sie hat die Politik mobilisiert. Viele Anleger haben sich in ihrer Not an ihre Bundestagsabgeordneten gewandt und um Hilfe gebeten. Mit Erfolg.

Ab dem 1. Januar nächsten Jahres müssen die Banken die Anlageberatung ihrer Kunden dokumentieren. Zudem bekommen die Anleger länger Zeit, Schadenersatzansprüche einzuklagen. Die dreijährige Verjährungsfrist läuft dann nicht mehr ab Vertragsschluss, sondern erst ab dem Moment, an dem der Anleger von dem Schaden erfahren hatte. In der nächsten Legislaturperiode soll es weitergehen. Die Qualität der Finanzberater soll verbessert, die unabhängige Finanzberatung ausgebaut werden. Auch über einen Finanz-Tüv für einzelne Papiere wird gesprochen.

Auch die Finanzbranche behauptet, aus der Krise gelernt zu haben. „Wir machen das, was sich in der Krise als falsch erwiesen hat, am Ende nicht wieder neu auf“, verspricht Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann. Doch die Gewerkschaft Verdi hat Zweifel an der Einsichtsfähigkeit. Die Kundenberater stünden nach wie vor unter einem enormen Verkaufsdruck, sagte Verdi-Vorstandsmitglied Uwe Foullong am Freitag in Berlin. Diese Vorgaben müssten unverzüglich abgeschafft werden. Verbraucherschützer kritisieren die Rückkehr der Zockermentalität: „Die Casinos sind wieder geöffnet“, kritisiert Westphal. Heike Jahberg

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