Wirtschaft : Bestände halten

IM INTERVIEW - Im kommenden Jahr winken weitere Chancen

TAGESSPIEGEL: An den Börsen sind die Bäume nicht so in den Himmel gewachsen, wie im Sommer angenommen.Herrschen jetzt schon Kaufkurse, oder sollte der Anleger noch warten? KURZE: Seit August befindet sich der deutsche Aktienmarkt in einer Konsolidierungsphase, die noch einige Zeit anhalten wird.Das Risiko nach unten liegt bei 3800 und das Potential nach oben bei 4400 Punkten - alles aus Sicht bis Jahresende.Die Gründe für den Stopp der Aufwärtsbewegung sind das veränderte Währungsumfeld - Dollarabschwächung -, ein starker Rückgang der Auslandsnachfrage nach deutschen Aktien und die Konsolidierung an der Wall Street.Erst im kommenden Jahr rechnen wir aufgrund einer von uns prognostizierten weiter verbesserten Ertragsentwicklung mit einer wieder freundlichen Tendenz.Trader sollten bei einem Indexstand von circa 4200 an Verkäufe denken, um eine günstige Einstiegsphase zu nutzen.Dem konservativen Anleger empfehlen wir das Halten der Bestände und den weiteren konsequenten Aufbau von Aktienpositionen.An dieser Stelle sei angemerkt, daß die Landesbank Berlin / Berliner Sparkasse angesichts der Tatsache, daß sich die Aktienanlage langfristig als erfolgreichste Anlageform erwiesen hat, selbst konservativen Kunden rät, einen Vermögensanteil von 25 Prozent in Aktien beziehungsweise Aktienfonds anzulegen.Hierfür empfehlen wir derzeit unter anderem BASF, BMW, Münchener Rück, Thyssen und Veba.Zu unseren bevorzugten Nebenwerten gehören Berliner Elektro und Kiekert.Wer sich auf das Können erfahrener Fondsmanager verlassen will, kauft Anteile des DekaFonds. TAGESSPIEGEL: Ab welchen Summen sollte man sich eigentlich direkt engagieren, wann lieber in einem Investmentfonds bleiben? KURZE: Wenn das Anlagevermögen groß genug ist, um ein gut strukturiertes Depot mit Einzelwerten ab zirka 10 000 DM aufzubauen, empfiehlt sich grundsätzlich die Direktanlage.Insbesondere zur Abdeckung chancenreicher Auslandsmärkte bieten sich auch bei großen Depots Aktien-Länderfonds an.Aktuell würden wir beispielsweise den britischen Aktienmarkt übergewichten (Kaufempfehlung: British Airways, Grand Met, Smithkline Beacham). Bei Anlagebeträgen ab 250 000 DM führt die Landesbank Berlin eine professionelle Vermögensverwaltung durch.Für Beträge ab 30 000 DM bietet sich eine Vermögensverwaltung auf Fondsbasis an, wobei die Deka das Management betreibt. TAGESSPIEGEL: Was ist mit asiatischen Werten? Dort hat es in der letzten Zeit gekriselt. KURZE: Bei den Börsen im asiatischen Raum muß zwischen den Tigermärkten und Japan unterschieden werden.Zu den Tigerbörsen zählen insbesondere Hongkong, China, Indonesien, die Philippinen, Malaysia, Thailand, Singapur, Südkorea und Taiwan.Einige dieser Länder waren in den vergangenen Wochen von einer Währungs- und Immobilienkrise betroffen, die zur Turbulenzen an den Finanzmärkten führte. Die Unsicherheit an diesen Aktienbörsen hält weiter an, so daß Anleger zurückhaltend agieren sollten.Dagegen erscheint Tokio, das unter der schwachen Binnenkonjunktur litt, auf dem ermäßigten Niveau zunehmend interessanter.Da der schwache Yen die Exportwirtschaft unverändert stützt, sind insbesondere Werte wie Toshiba kaufenswert. TAGESSPIEGEL: Stimmen Sie der Rechnung zu: 100 minus Lebensalter gleich Anteil in Prozent von Aktien am Vermögen? KURZE: Keineswegs.Der Aktienanteil am Vermögen sollte sich nach der individuellen Risikobereitschaft richten.Hierbei spielen die Anlegermentalität und die Wertpapiererfahrung eine weit größere Rolle als die Zahl der Lebensjahre.Empfehlung der Landesbank Berlin für den Aktienanteil im aktuellen Börsenumfeld je nach Risikobereitschaft: "konservativ" = 25 Prozent, "risikobereit" = 60 Prozent und "spekulativ" = 80 Prozent. TAGESSPIEGEL: Wird sich die Euro-Diskussion auf die Aktien- beziehungsweise Rentenkurse auswirken? Wie? KURZE: Aktienmärkte werden von verschiedenen Einflußfaktoren gelenkt, sicherlich ist die Einführung des Euro heute eine dieser Bestimmungsgrößen. Die beste Ausgangslage für den deutschen Aktienmarkt ist mehr Sicherheit für eine pünktliche und planmäßige Einführung des Euro.Dann können sich einerseits die Unternehmen gründlich, sachgerecht und kostenbewußt vorbereiten, andererseits geben die konkreten Erwartungen dem Aktienmarkt eine positive Perspektive, von der dieser profitieren sollte.Kursbeflügelnde Effekte erwarten wir aus der Währungsunion vor allem für stark exportabhängige Unternehmen und für Unternehmen, die einen Großteil ihrer Umsätze innerhalb des gemeinsamen Währungsraums erzielen.Unserer Einschätzung nach sind dies Unternehmen aus den folgenden Branchen: Autoindustrie, Maschinenbau, Elektronik, Stahl und Chemie.Im Vorfeld der Europäischen Währungsunion sollten vor allem System- beziehungsweise Softwarehäuser durch die hohen Umstellungsinvestitionen profitieren, wobei dies sicherlich nur temporär zu sehen ist.Andererseits sind natürlich auch Branchen überproportional durch die Umstellung belastet, so zum Beispiel Banken, die hohe Mehraufwendungen durch die Währungsumstellung zu tragen haben. Währungsunions-bedingte Auswirkungen auf die Zinsstruktur schätzen wir so ein, daß die angestrebte Konvergenz der Volkswirtschaft beziehungsweise Konvergenz des Zinsniveaus hauptsächlich über eine Anpassung der Hochzinsländer erreicht wird.Dort sind bereits die Renditen gesunken.Dieser Vorgang ist zwar noch nicht abgeschlossen, aber die Kraft der Bewegung wird nun nachlassen.Um eine möglichst hohe Konvergenz vor Beginn der Union zu erzielen, gehen wir davon aus, daß die Länder aus dem D-Mark-Block eine leichte Zinserhöhung erleben werden. Zu Beginn der Währungsunion rechnen wir mit leichten Irritationen, die zu einer Währungsunion-induzierten Zinserhöhung führen können (in bezug auf den normalen Zyklus). Langfristig sehen wir mit Errichtung des gemeinsamen Währungsraums auch die Bewegung in flachere Zinsstrukturkurven.Stark ausgeprägte Zinszyklen wird es nicht mehr geben, es sei denn durch externe Schocks verursacht.Die Stabilisierung des Zinsniveaus ist auf gemäßigtem Niveau auf den größeren Währungsraum und auf die stärkere Ausprägung der Globalisierung zurückzuführen.Diese beschränkt Preiserhöhungen und führt zu dauerhaft niedrigen Inflationsraten. TAGESSPIEGEL: Sollte man in festverzinsliche Titel investieren? KURZE: Im Rahmen einer ausgewogenen Anlagestrategie gehören auch festverzinsliche Wertpapiere in das Depot eines Privatanlegers.Der Anteil festverzinslicher Titel beziehungsweise entsprechender Rentenfonds hängt - wie bereits oben angedeutet - von der individuellen Anlegermentalität ab.Angesichts der derzeitigen Renditespreads empfiehlt es sich, im DM-Bereich den Laufzeitenbereich von fünf bis sieben Jahren überzugewichten.Risikobewußten Investoren empfehlen wir die Beimischung von Fremdwährungsanleihen, zum Beispiel die 6,5 Prozent Landesbank Schleswig-Holstein, Neuseeland-Dollar-Anleihe, fällig 7.August 2001 (Rendite zur Zeit zirka 6,72 Prozent) und die sechs Prozent Kreditanstalt für Wiederaufbau Internat. TAGESSPIEGEL: Welche Auswirkungen auf den Markt hat die Commerzbank-Kapitalerhöhung? KURZE: Die Analysten unseres Hauses gehen davon aus, daß die Kapitalerhöhung der Commerzbank weder größere Auswirkungen auf den Kurs der eigenen Aktien noch auf den Gesamtmarkt hat.Die Kapitalerhöhung über nominal 150 Mill.DM wird bei einem Bezugspreis von 52 DM dem Kapitalmarkt circa 1,5 Mrd.DM liquide Mittel entziehen.Dem Markt wurde zwar in der jüngsten Zeit durch verschiedene Kapitalerhöhungen, darunter die der Dresdner Bank und der VW sowie durch die gerade gestartete Vollprivatisierung der Lufthansa bereits einiges an Liquidität entzogen.Dennoch sollte die Kapitalerhöhung reibungslos ablaufen, da man sich seitens des Unternehmens mit dem bewußt niedrig angesetzten Bezugspreis (circa 20 Prozent unter der aktuellen Börsennotiz) erhofft, das benötigte Kapital bei den bisherigen "Altaktionären" einsammeln zu können. TAGESSPIEGEL: Welche anderen großen Aktien-Plazierungen werden folgen? KURZE: Eine interessante Aktie ist die der France Telecom.Die Börseneinführung in Paris und New York ist für den 20.Oktober vorgesehen.Bei der Zeichnung von France Telecom ist zu beachten, daß der Gegenwert von DM 10 000 nicht unterschritten werden darf.Da die Aktien nicht an einer deutschen Börse eingeführt werden, fallen beim Verkauf allerdings höhere Gebühren an.

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