Bestechungsskandal : Neue Schmiergeld-Affäre bei Volkswagen

Seit 1998 sollen bei VW Schmiergelder in Höhe von bis zu 800.000 Euro pro Jahr an Einkaufsmanager geflossen sein. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen rund 20 Verdächtige.

Frankfurt/Main - Begonnen hatten die Untersuchungen beim französischen Lieferanten Faurecia. Die Ermittler werfen dem Unternehmen vor, mindestens seit 1998 Schmiergelder von zuletzt 600.000 bis 800.000 Euro jährlich an Einkaufsmanager deutscher Autokonzerne gezahlt zu haben. Ein Hinweis aus dem Finanzamt hatte die Staatsanwaltschaft auf die Spur der Verdächtigen gebracht.

Den Ermittlern zufolge richtet sich der Verdacht unter anderem gegen einen 46-jährigen Einkaufsmanager von VW, einen 64-jährigen, inzwischen pensionierten Einkaufsleiter von VW sowie einen 53-jährigen, mittlerweile freigestellten Einkäufer der Konzerntochter Audi. Der 2002 pensionierte Einkaufsleiter soll Zahlungen von 139.000 Euro eingeräumt haben. Als Gegenleistung soll er Faurecia bei der Vergabe von Aufträgen für die Innenausstattung von VW-Modellen bevorzugt haben. Zudem soll er von einem weiteren Zulieferer 408.000 Euro angenommen haben. Der zweite VW-Mitarbeiter soll Möbel, Urlaubsreisen und «erhebliche Geldzahlungen» erhalten haben, erklärte Oberstaatsanwalt Bechtel, ohne eine Summe zu nennen.

Gefälligkeit für die Freundin

Der noch immer in Untersuchungshaft sitzende 53 Jahre alte Audi-Mitarbeiter soll mindestens 160.000 Euro an Schmiergeldern angenommen haben. Zudem soll er als Gegenleistung für eine Auftragsvergabe gefordert haben, dass seine 32-jährige Freundin bei einem Zulieferer in der Schweiz für einen Monatslohn von 5300 Schweizer Franken (rund 3400 Euro) angestellt wird, der weit über ihren geringen Qualifikationen gelegen haben soll.

Volkswagen hatte bereits am Samstag betont, die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft «mit allen Kräften» zu unterstützen. Europas größter Autobauer war vor einem Jahr wegen Luxusreisen und Bordellbesuche von Betriebsräten sowie angeblichen Schmiergeldzahlungen in den Schlagzeilen geraten. (tso/AFP)

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