Wirtschaft : Besuch eines Dickhäuters

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Berlin – Ein Nashorn steht auf seinem Schreibtisch, da wo sein Vorgänger früher Sparschweine platziert hatte. Und so wie die schweren Dickhäuter kaum stoppen können, wenn sie einmal richtig in Fahrt sind, so präsentierte sich Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) am Montag bei der Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK) vor rund 200 Unternehmern. Alles sei besser, als die Wirtschaft glauben mache. „Die Rendite der Agenda 2010 ist mit großer Verspätung zum ersten Mal spürbar.“ Die Lohnstückkosten seien niedrig, die Personengesellschaften – also die meisten Unternehmer – zahlten so wenig Steuern wie noch nie, die Staatsquote sei auf britisches Niveau gesunken, und die Kommunen gäben wieder Geld aus. „Ob die beschaffen oder nicht, kann Ihnen ja nicht pimpe sein.“

Zeitweise wurde es ganz still, doch immer stärker ließen sich die Zuhörer mitreißen und vergaßen ihre üblichen Forderungen nach niedrigeren Steuern. Wissendes Gelächter erntete eine Klarstellung Steinbrücks zur Unternehmensteuerreform: „Der Schrebergarten, den Sie hier in Berlin haben, um die Bundesliga zu schauen – das ist nicht Betriebsvermögen.“

Einem Unternehmer, der einen Freibetrag von 20 Millionen Euro statt zwei Millionen Euro forderte, antwortete Steinbrück, dass er sich das nochmal anschauen werde. „Sie haben aber nicht 200 Millionen gesagt, oder?“ Einer nach dem anderen trug seine Wünsche vor – vom japanischen Doppelbesteuerungsabkommen bis Lizenzgebühren. Und Steinbrück hatte Antworten: „Sie meinen den Paragraf 8a Fremdfinanzierung? Den streichen wir.“ Bis eine Steuerexpertin von Schering sich mit den Worten meldete: „Die anderen haben alle auch was bekommen, deswegen frage ich ...“

Nur eine Antwort blieb Steinbrück schuldig: die nach der Lösung für die Haushaltslage Berlins. „Diese Frage kann Sie killen.“ Am Ende stand ein donnernder Applaus, wie ihn wohl selten ein Gast der inzwischen etablierten Frühstücksrunden der IHK errungen hat. mod

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