Wirtschaft : Besuch im Haus des Ministers

Tewe Pannier

Das Geschäft mit der libanesischen Regierung steckt fest. Auf der Suche nach dem richtigen Kontakt hat ein Mittelsmann einen Post-It-Zettel bekritzelt: „19 Uhr, Mr. Karim, in der Nähe vom Papiergeschäft, im Haus vom Minister.“ Was konspirativ klingt, ist normal. In Beirut gibt es kaum Straßennamen und Hausnummern schon gar nicht. Und geheime Verabredungen auch nicht, wie sich schnell zeigt. Der Fahrer vom Hotel nimmt den Zettel entgegen und liest ihn laut vor. Dann hupt er und setzt seinen neuen schwarzen Mercedes in Bewegung. Arabische Popmusik klingt aus den Lautsprechern, Fahrer und Fahrgast halten die Ellbogen in den Abendwind.

Nach zehn Minuten Fahrt Ankunft am Papiergeschäft. Ein Soldat mit Kebab steht dort, sein Gewehr hat er an die Hauswand gelehnt. Der Fahrer hupt, ruft aus dem offenen Beifahrerfenster: „Wir suchen Mister Karim im Haus vom Minister, der Deutsche da will ihn sehen!“ Der Soldat empfiehlt, am nächsten Panzer noch mal zu fragen. Dort der nächste Soldat in Wüstenstiefeln und Muscleshirt, auch seine M16 lehnt an der Wand. Frage, Antwort, Hupen zum Dank.

Jetzt sind wir in dem Straßenblock, in dem das Haus des Ministers steht. Der Fahrer hupt noch mal, zwei Männer, die es sich in Campingstühlen auf dem Bürgersteig bequem gemacht haben, blicken auf. „Ein Deutscher für Mister Karim im Haus vom Minister“, ruft der Fahrer.

Einer der Männer steht auf. „Nur Allah weiß, ob er überhaupt zu Hause ist.“ Der andere steht auf, ein Goldzahn funkelt durch den Sechs-Tage-Bart. Er schlurft zu einer Gegensprechanlage. „Da ist ein Deutscher im schwarzen Anzug, der will zu Mister Karim.“ Die Gegensprechanlage knistert erst nur, quäkt dann die Antwort: „Er ist ein Freund.“

Herr Karim – wir sind uns noch nie begegnet – empfängt mich wie einen verschollen geglaubten Verwandten. Das philippinische Hausmädchen bringt Tee und Süßigkeiten. Wir sprechen über die Chancen von Saudi Arabien bei der Fußballweltmeisterschaft (gering!). Über den Friseur in der Straße und die Zahl der Parkplätze, die dessen Kundinnen blockieren (hoch!). Über sein jüngstes Geschäft, den Verleih von Yachten im Sommer auf Tagesbasis (Allah möge seine Hand schützend darüber halten!). Der Abschied gerät so herzlich wie die Begrüßung. Der Fahrer hupt auf dem Rückweg sieben Mal. Das Geschäft mit der libanesischen Regierung steckt weiter fest.

Der Autor (45) betreibt eine Medienfirma in Dubai und lebt abwechselnd dort und in Berlin.

ein Geschäftsmann

aus Berlin, erzählt von Arabien

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