Besucherandrang : Volksfeststimmung auf dem Messegelände

Die Grüne Woche in Berlin übt offenbar auch in diesem Jahr eine große Faszination auf die Verbraucher aus. Aus allen Himmelsrichtungen strömen die Besucher herbei.

Berlin - Bereits am Samstagvormittag drängten sich Zehntausende in den 25 Messehallen. "Diese Woche hat es zwei stürmische Ereignisse in Berlin gegeben", sagt Pressesprecher Wolfgang Rogall. "Der Orkan 'Kyrill' und der Besucherandrang bei der Grünen Woche." 400 Reisebusse aus allen Bundesländern seien alleine am Wochenende angekommen, berichtet er.

Vorbei an Spezialitäten aus aller Welt führt der Messerundgang das Publikum. In der einen Halle erfüllt der Duft exotischer Gewürze die Luft, ein paar Meter weiter dominiert der Geruch von Kräuterbonbons. Während ein thailändischer Stand scharfe Garnelensuppe anbietet, köcheln beim Inder Currygerichte. Beim Bauern aus Brandenburg dreht sich ein ganzes Schwein am Spieß. Die Australier haben Känguru-Ragout und Krokodilsteak im Angebot. Beim Norweger ist eine riesige Königskrabbe zu bewundern.

Marmelade aus Finnland, Rotweine aus Südafrika

Die Finnen preisen ihre fruchtige Marmelade. Wo er die denn in Berlin sonst finden könne, fragt ein Kunde. Die Frage können die Verkäufer nicht beantworten. Man einigt sich auf den Austausch der E-Mail-Adressen. Südafrika stellt seine exzellenten Rotweine vor. Der Shiraz mundet dem Kunden "hervorragend". Aber man müsse hier schon acht geben, sagt der Potsdamer, sonst unterschreibe man leicht beschwipst einen Liefervertrag und wundere sich anschließend über die hohe Rechnung.

Eine Weinprobe bieten die meisten Händler umsonst. Ansonsten gibt es aber nur winzige Pröbchen von Wurst oder Käse kostenlos. Wer meint, sich auf der Grünen Woche umsonst durchfuttern zu können, liegt falsch. Die meisten greifen auf der Messe tief in die Tasche. Im vergangenen Jahr habe jeder Besucher durchschnittlich knapp 100 Euro für Verzehr und Bestellungen ausgegeben, sagt Rogall.

Frühschoppen in der Bierhalle

In vielen Hallen herrscht Volksfeststimmung. In der Bierhalle finden sich die Gäste zum Frühschoppen ein. Ein Marktschreier aus Sachsen-Anhalt wirbt lautstark für seine "Wattwürmer". "Die fetten Mettwürste passen gut zum Bier", sagt er. Nebenan gibt es Hirschsalami nach dem Wildererrezept. Bei den Bayern blasen Musikanten in Lederhosen in ihre Alphörner. Am Stand Nordrhein-Westfalens tanzt das Publikum zu Schlagermusik. Auf der Piratenbühne in der Halle Mecklenburg-Vorpommerns spielt ein graubärtiger Solist Country-Musik.

Den Gästen an den Biertischen werden Eisbein oder Grünkohl mit Pinkel serviert. Bei den Russen mundet natürlich der Wodka. Am Kaviar ziehen die meisten vorbei. "Sündhaft teuer", sagt eine Kundin. Neben kulinarischen Streifzügen bietet die Grüne Woche vielfältige Möglichkeiten, sich über aktuelle Trends in der Land- und Lebensmittelwirtschaft zu informieren. Der Erlebnisbauernhof etwa zeigt anschaulich, wie Tomaten gezüchtet oder Ferkel aufgezogen werden. Ein Metzger demonstriert, wie eine Schweinskeule zerlegt wird.

Große Nachfrage in der Biohalle

Dass der Markt für ökologische Lebensmittel boomt, erfährt der Verbraucher in der Biohalle. Bioenergie und nachwachsende Rohstoffe bilden zum ersten Mal einen Schwerpunkt der Grünen Woche. Das Thema werde nicht nur von Experten auf zahlreichen Fachforen diskutiert, sagt Rogall. Auch das Publikum zeige reges Interesse. 40 Prozent der Besucher suchten die BioEnergy-Halle auf, unterstreicht Rogall.

In der Tierhalle sind Nutztiere zu sehen. Mächtige Zuchtbullen und Milchkühe, edle Pferde und Ponys, die kleinste Schafrasse der Welt. In der Nachbarhalle wird Angler- und Jagdbedarf geboten. Auch hier drängen sich die Menschen, aber hier geht es ruhiger zu als in den "Folklorehallen". Jede Region in Deutschland richte halt einmal im Jahr ein großes Fest aus, auf dem die Besucher schon mal über die Stränge schlügen, sagt ein Landwirt aus Baden-Württemberg. Die Münchner hätten ihr Oktoberfest, die Düsseldorfer ihre Kirmes am Rhein und die Berliner eben ihre Grüne Woche. (Von ddp-Korrespondent Michael Winckler)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben