Wirtschaft : Beta Systems geht in den Neuen Markt

Berliner Software-Firma will auch in USA notiert werden

FRANKFURT (MAIN)(ro).Die Vorschußlorbeeren sind beträchtlich: Nicht nur als Bereicherung, sondern sogar als "außerordentlichen" Gewinn für den deutschen Kurszettel betrachtet Deutsche Bank-Bereichsvorstand Jürgen Bilstein die Einführung der Aktie der Berliner Beta Systems Software AG am Neuen Markt der Frankfurter Börse.Vom 30.Juni an soll die Aktie des Unternehmens gehandelt werden, Kaufaufträge können von sofort an bis 26.Juni abgegeben werden.Der Spanne für den Kaufpreis der 5 DM-Aktie liegt zwischen 85 DM und 100 DM. Daneben werden die Aktien auch an der Börse in den USA als sogenannte American Depository Shares (ADR) eingeführt.Maximal bis zu 897 000 Aktien werden von den drei Konsortialbanken Deutsche Morgan Grenfell, Goldman Sachs und Sal.Oppenheim zum Kauf angeboten, 70 Prozent stammen aus einer Kapitalerhöhung, 30 Prozent geben die drei bisherigen Aktionäre ab.Der Erlös von bis zu knapp 90 Mill.DM fließt zum kleineren Teil in die Taschen der Alt-Aktionäre, der größte Batzen soll der Beta Systems allerdings mehr Kapital verschaffen und der Übernahme weiterer Unternehmen dienen. Die Beta Systems zählt zu den erfolgreichsten deutschen Softwarefirmen.Gegründet wurde das Unternehmen 1983 von Alfred Tauchnitz und William Schmidt, die heute neben der LBB Beteiligungsgesellschaft, Berlin, die 25 Prozent hält, mit jeweils rund 33 Prozent die Hauptaktionäre sind.Nach dem Börsengang wird der Anteil dieser drei Aktionäre auf rund 44 Prozent schrumpfen.Beta Systems hat sich mit seinen heute rund 230 Mitarbeitern auf Software für die Automatisierung von Rechenzentren spezialisiert.In Deutschland ist man Marktführer,in Europa steht man ebenfalls oben und in den Vereinigten Staaten habe man, so Tauchnitz, eine gute Position.Zu den Kunden von Beta zählen große deutsche Konzerne wie BMW, Daimler-Benz, Deutsche Telekom, Allianz, Karstadt oder die Dresdner Bank.International ist man bei ABB, bei Philips oder Royal Bank of Canada mit dabei.BMW etwa hat die Software von Beta zu Kosteneinsparung von 1,1 Mill.Dollar pro Jahr verholfen, indem interne Reports nicht mehr per Papier, sondern per PC weitergegeben werden.Angesichts der Renaissance von Großrechnern sieht Tauchnitz insgesamt gute Chancen für Beta. Seit der Gründung hat das Unternehmen nach seinen Angaben immer schwarze Zahlen geschrieben.Von 1992 bis 1996 stieg der Umsatz von 19,8 auf 56,5 Mill.DM, allein 1996 gab es ein Plus von gut 30 Prozent.Das Betriebsergebnis kletterte in den vergangenen fünf Jahren von 1,2 auf 5,6 Mill.DM.Der Jahresüberschuß vor Steuern erhöhte sich 1996 um 35 Prozent auf 5,1 Mill.DM.Im ersten Quartal 1997 stieg der Umsatz um weitere 51 Prozent auf 10,6 Mill.DM.Für das gesamte Geschäftsjahr 1996 erwartet der Beta-Vorstand ein Umsatz-Plus wie im Vorjahr.Auch beim Ergebnis rechnen sie wieder mit einem deutlichen Zuwachs.Die Aktionäre werden gleichwohl leer ausgehen.Nach einem Beschluß der Hauptversammlung sollen künftige Gewinne einbehalten werden, um sie für die Entwicklung und das Wachstum des Unternehmens zu verwenden. An der Berliner Wertpapierböse wird man die Entscheidung von Beta Systems, nach Frankfurt zu gehen, wohl weniger erfreut aufnehmen.Noch vor zwei jahren hatte es geheißen, Beta wolle in den hiesigen Freiverkehr.An die Börse bringen sollte das Unternehmen dem Vernehmen nach die Bankgesellschaft Berlin.

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