Wirtschaft : Beteiligung an Online-Dienst soll auf Europa ausgedehnt werden

Der französische Mischkonzern Vivendi will seine Beteiligung am nationalen Online-Dienst AOL France auf ganz Europa ausdehnen. Ein solcher Schritt sei mit Blick auf die am Wochenende vereinbarte Internet-Allianz mit dem britisch-amerikanischen Telefonkonzern Vodafone-Airtouch sinnvoll, sagte Vivendi-Chef Jean-Marie Messier am Mittwoch dem Pariser Radiosender "Radio-classique". Vivendi sei zu weiteren Gesprächen mit dem US-Konzern America Online "über eine Partnerschaft bei AOL Europe" bereit. Verhandlungen mit dem zweiten AOL-Europe-Partner Bertelsmann gab es nach Angaben des deutschen Unternehmens bislang nicht. Konzern-Sprecher Oliver Hergesell bezeichnete Pläne über einen möglichen Verkauf von Bertelsmann-Anteilen als "uraltes Gerücht". "Dazu gibt es nichts Neues", sagte Hergesell in Gütersloh. AOL Europe wird derzeit jeweils zur Hälfte von dem AOL-Mutterkonzern in den USA und dem deutschen Bertelsmann-Konzern gehalten. Bertelsmann ist angeblich an einem Verkauf zumindest eines Teils seiner Beteiligung interessiert. Grund könnte die Fusion von AOL mit dem US-Konzern Time Warner sein, einem direkten Konkurrenten von Bertelsmann.

"AOL wird nach einem neuen Partner in Europa an Stelle von Bertelsmann suchen müssen", sagte Messier. Vivendi führe bereits "seit Monaten" Gespräche mit dem AOL-Mutterkonzern in den USA, um die bestehende Partnerschaft in Frankreich auf Europa auszudehnen. Vivendi und Bertelsmann sind Partner bei AOL France: Der französische Online-Dienst wird zu 55 Prozent von Vivendi und Canal Plus gehalten und zu 45 Prozent von den AOL-Europe-Partnern America Online und Bertelsmann.

Vivendi und Vodafone hatten am Sonntag überraschend eine weitreichende Internet-Allianz angekündigt, die über ein so genanntes Multi Access Portal den Netzzugang nicht nur über Computer, sondern auch über Mobiltelefone und TV-Geräte ermöglichen soll. "Die Gespräche mit AOL machen viel Sinn, was unser gemeinsames Portal mit Vodafone angeht", sagte Messier. Zum laufenden Versuch von Vodafone, Mannesmann zu übernehmen, sagte der Vivendi-Chef, er hoffe auf eine "gütliche Einigung" zwischen beiden Seiten. Diese könne die Umsetzung der Internet-Allianz mit Vodafone beschleunigen. "Ich bin sicher, dass Vodafone sein Angebot gegenüber Mannesmann durchsetzen kann."

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