Wirtschaft : Beteiligung bringt Star Alliance wichtige Start- und Landerechte in Heathrow

Die Deutsche Lufthansa baut mit dem Einstieg bei der zweitgrößten britischen Fluggesellschaft, British Midland, ihr weltweites Luftfahrtbündnis Star Alliance aus. Für 91,4 Millionen Pfund (274 Millionen Mark) kauft Lufthansa 20 Prozent der British Midland-Anteile. Wie alle Star Alliance-Mitglieder werde British Midland (BM) seine Identität bewahren, aber vom globalen Netz des Bündnisses profitieren, sagte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Lufthansa AG (Köln), Jürgen Weber, am Dienstag in London.

Das von Lufthansa übernommene Aktienpaket wurde bisher von der skandinavischen Luftfahrtgesellschaft SAS gehalten, die ebenfalls zur Star Alliance gehört. Ihr verbleiben jetzt noch 20 Prozent. Die restlichen 60 Prozent sind im Besitz des britischen Geschäftsmanns Sir Michael Bishop.

Scharf reagierte Weber auf die Kritik von British Airways (BA) an der Beteiligung. Die größte britische Fluggesellschaft wirft Lufthansa vor, in Frankfurt und London eine übermächtige Position aufzubauen. "Man darf nicht Äpfel und Birnen vergleichen", sagte Weber. Unter Einbeziehung von British Midland verfüge die Star Alliance auf dem Flughafen London-Heathrow über 27 Prozent der "Slots" (Start- und Landerechte), das BA-Bündnis Oneworld dagegen über 48 Prozent. Das seien die Zahlen, die man vergleichen müsse, sagte Weber.

British Midland beförderte 1998 rund sechs Millionen Passagiere und erzielte einen Umsatz von 558 Millionen Pfund (1,7 Milliarden Mark). Der Vorsteuergewinn lag bei 11,02 Millionen Pfund (33 Millionen Mark). Auf London-Heathrow, dem größten Flughafen Europas, verfügt British Midland mit 165 Flügen über 14 Prozent aller "Slots" für Starts und Landungen.

Analysten in London spekulierten am Dienstag darüber, dass die US-amerikanischen und britischen Wettbewerbsbehörden nach der erneuten Stärkung der Star Alliance weniger Bedenken gegen das geplante Bündnis von BA und American Airlines haben könnten. BA hatte sich in den vergangenen Wochen darüber beklagt, dass das eigene Projekt von den Behörden verzögert werde, während die Konkurrenz von der Star Alliance kaum auf Probleme stoße.

Zur Star Alliance gehören nun Lufthansa, United Airlines, British Midland, SAS, Air Canada, Thai Airways International, Air New Zealand, Ansett Australia, Varig (Brasilien) und All Nippon Airways. Bishop sagte, er habe auch mit Air France und der niederländischen KLM über eine Allianz verhandelt, doch Lufthansa habe bessere Konditionen geboten.

Neben der Star Alliance gibt es drei Allianzen von Fluggesellschaften im Luftverkehr. Hauptkonkurrent der Star Alliance, die als erste Allianz im Mai 1997 gegründet wurde, ist Oneworld mit American Airlines, British Airways (BA), Canadian Airlines, Cathay Pacific, Finnair, Iberia und Qantas als Partner. Diese Allianz wurde im September 1998 aus der Taufe gehoben. Über bilaterale Abkommen sind unter anderem Japan Airlines, Aerolineas Argentinas, Lot (Polen) und US Airways mit mindestens einem der Partner verknüpft. Außerdem gibt es noch die dieses Jahr gegründete Allianz Wings um die US-Gesellschaften Northwest Airlines und Continental Airlines mit ihren europäischen Hauptpartnern KLM und Alitalia sowie unter anderem die deutsche Eurowings und die norwegische Braathens. Die neue, vierte weltweite Allianz haben Delta Air Lines (USA) und Air France (Frankreich) im Juni 1999 angekündigt. Als möglicher asiatischer Partner wird Korean Air gehandelt.

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